Monografie ,

Jonas Burgert

Schluss mit Cool!

von Ronald Berg

Jonas Burgert war mit „Zeitlaich“ der Star des Gallery Weekend 2017 in Berlin. Allein die Ausmaße dieses 22 Meter breiten Gemäldes sowie der tollkühne Versuch einer Zeiten, Räume und Kulturen übergreifenden Darstellung der menschlichen Existenz macht Burgert zu einer Ausnahmeerscheinung in der Kunst der Gegenwart. Burgert zeigt noch einmal und ganz (geistes-)gegenwärtig, was das alte Medium der Malerei nach wie vor zu leisten im Stande ist. Im Frühjahr 2018 war Burgert wieder der geheime Gewinner in der Publikumsgunst beim Berliner Gallery Weekend, diesmal als Gastgeber für die Gruppenausstellung „Ngorongoro“, die auf seinem Ateliergelände in Berlin 160 Künstler versammelte und 30.000 Menschen anzog. Burgert scheint auf dem besten Wege zu einer künstlerischen Instanz zu werden, obwohl er mit seiner figurativen Monumentalkunst als Solitär im Kunstbetrieb dasteht.

Angefangen habe das Bild mit dem Gewimmel von „Viechern“, wie sie balgend aus einem Müllcontainer purzeln. Viecher ist wohl eine gute Bezeichnung, denn man kann gar nicht sagen, ob die weißlichen Tiere nun Hunde oder Katzen sind. Sie ähneln beidem. Allerdings: Jonas Burgert erinnert sich falsch. Man kann die Entstehungsgeschichte seines Riesengemäldes nämlich im Internet als Zeitraffer nachverfolgen. Und da wird deutlich, dass über dem sphärischen Urgrund in der Mitte des 22 Meter breiten und sechs Meter hohen Bildes als erste erkennbare Figur eine schwarze menschliche Silhouette im Bild auftaucht. Sie ist auch im fertigen Bild noch zu sehen, wenngleich stark überarbeitet. Breitbeinig scheint ihr Kopf nun in einer Art Gewirr von Stricken oder einem Netz zu stecken, dem sie zu…

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