Monografie ,

Lutz Bacher

Titel sind wichtig

von Sabine Maria Schmidt

In ihrem Roman Die gleißende Welt erzählt die amerikanische Schriftstellerin Siri Hustvedt von der talentierten Künstlerin Harriet Burden, die Mitte der 1970er Jahre, nach dem Tod ihres Mannes, eine eigene Karriere als Installationskünstlerin beginnt. Als feministische Künstlerin in einem männlich dominierten Kunstbetrieb im New Yorker Umfeld wagt Burden ein heimliches und zugleich riskantes Experiment. Sie verbirgt ihr Werk hinter den Masken dreier männlicher Künstlerfiguren, die ihre Kunst in die Öffentlichkeit bringen sollen. Der Handel geht nicht gut aus; denn einer ihrer männlichen Alter Egos, der selber Künstler ist, durchkreuzt ihr Rollenspiel und ein bitterer Kampf beginnt. Den Titel des Romans entlehnt Siri Hustvedt dem gleichnamigen utopischen Roman der Universalgelehrten Margaret Cavendish (1623–1673), eine der ersten Frauen, die überhaupt unter ihrem eigenen Namen publizierte. Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein war es für Frauen fast unabkömmlich, einen männlichen Decknamen anzulegen, um überhaupt zu einer Stimme zu kommen.

Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass Lutz Bacher eine Frau ist; auch wenn sie weiterhin präzise Angaben zu elementaren biographischen Daten stoisch verweigert, was Raum für Spekulationen und Erzählungen erlaubt. Seit Mitte der 1970er Jahre, dem Beginn ihrer Künstlerkarriere, repräsentiert Lutz Bacher hinter diesem fast deutsch-österreichisch klingenden Pseudonym ein hochaktuelles und heterogenes Werk, das sich zahlreicher Medien bedient und einer individuellen Handschrift verweigert. Gerne hätte die Autorin angesichts dieser Parallelen erfahren, ob Lutz Bacher mit Hustvedt bekannt ist, sie gar inspiriert haben könnte, beide leb(t)en in Berkely und sind mit der New Yorker Kunstszene bestens vertraut. Doch bevor man…

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