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Roman Signer

Die Musik des freien Falls

Ein Gespräch von Michael Stoeber

Theodor W. Adorno verdanken wir die ebenso schöne wie paradox anmutende Einsicht, gute Kunst sei immer klüger als der Künstler. Was keineswegs gegen die Intelligenz des Künstlers spricht, doch seine Werke wissen regelmäßig mehr als er selbst. William Shakespeare, säße er denn auf einer Wolke und könnte sehen, wie vielfältig die Regisseure im Laufe der Jahrhunderte seinen „Hamlet“ inszeniert haben, käme aus dem Staunen nicht heraus. Ebenso überrascht den Schweizer Bildhauer Roman Signer so manche Auslegung seiner Werke. Er selbst äußert sich eher zurückhaltend zu ihrer Bedeutung. Überhaupt ist Signer, 1938 in Appenzell geboren, wo er heute noch lebt und arbeitet, angenehm unprätentiös. Was für einen Künstler seines Formats nicht selbstverständlich ist. Signer hat in bedeutenden Museen und Kunstinstituten auf der ganzen Welt ausgestellt. 1987 war er Teilnehmer der documenta 8, und 1999 hat er sein Land auf der Biennale in Venedig vertreten. Bekannt geworden ist er auch, weil er als Künstler mit Sprengstoff gearbeitet hat. Trotz des lauten Knalls, den dieser verursacht, ist Roman Signer ein Meister der leisen Töne. Seine Werke sind lakonisch wie ihr Schöpfer, anarchisch und poetisch, leicht surreal und komisch und nicht selten auch etwas melancholisch. Mit Michael Stoeber sprach er darüber, wie und warum ihm einfällt, was den Betrachter so vielfältig berührt, und über seine neuen Werke in der hannoverschen Kestner Gesellschaft.

Michael Stoeber: In Peter Liechtis schönem Filmporträt „Signers Koffer“ sagen Sie, dass der Versuch einer Skulptur für Sie selbst schon eine Skulptur…

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