Ausstellungen: Mainz ,

Mainz

Virtual Insanity

Kunsthalle Mainz 03.08. – 18.11.2018

von Isa Bickmann

Erneut erfährt ein Popsong seine Wiedergeburt als Ausstellungstitel: Während die 10. Berlin Biennale das Titellied des 1985 erschienen dystopischen Action-Spektakels „Mad Max“, „We don’t need another hero“ von Tina Turner, heranzieht, bedient sich die Kunsthalle Mainz mit der Ausstellung „Virtual Insanity“ des gleichnamigen Hits der Band Jamiroquai aus dem Jahre 1996. Der Berliner und der Mainzer Titel haben gemeinsam, dass der Ohrwurm jeweils filmische Bilder impliziert. Die mit irritierenden beweglichen Böden ausgestattete Szenerie in Jamiroquais preisgekröntem Video erinnert an einen technischen Reinraum. Die Bedeutung des Titels „Virtual Insanity“ habe sich bestätigt, erklärt die Leiterin der Kunsthalle Stefanie Böttcher und zählt „Wahrnehmungsstörungen, Eskapismus, Verrohung“ als Folgen eines Übermaßes an Virtual Reality (VR) auf, Warnungen, die nicht neu sind und bekanntermaßen schon seit den achtziger Jahren den Konsum von Computerspielen begleitet haben.

Virtual-Reality-Settings entstehen in technophilen, zukunftsorientierten Kontexten. Vorrangig auf das Verstörende dieser Welten konzentrieren sich die Künstler und Künstlerinnen der Mainzer Ausstellung. Der Arbeit des US-Amerikaners Jordan Wolfson (*1980) hält kaum jemand lange Stand. Nachdem VR-Brille und Kopfhörer aufgesetzt sind, konfrontiert „Real Violence“ mit einer höchst brutalen Szene: Ein Mann wird mit einem Baseballschläger zusammengeschlagen. Obwohl sichtbar fiktional, ist das kaum auszuhalten. Es bleibt nur, schnellstmöglich die Geräte abzunehmen, um der Gewaltszene zu entkommen. Dieses ist den Spielern, die Eva & Franco Mattes (*1976) präsentieren, nicht mehr möglich, denn sie sind derart in der Immersion gefangen, dass sie das Versagen ihres Avatars in der virtuellen Welt an ihren Spielkonsolen mit Gewalt auslassen, somit ihre Scheinwelt…

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