Ausstellungen: Bonn ,

Bonn

Der Flaneur

Vom Impressionismus bis zur Gegenwart

Kunstmuseum Bonn 20.09.2018 – 13.01.2019

von Jürgen Raap

Im Industriezeitalter des 19. Jh. wuchsen die Städte zu riesigen Metropolen heran: Paris hatte zwischen 1800 und 1850 seine Einwohnerzahl auf rund 1 Million verdoppelt, und wiederum ein halbes Jahrhundert später waren es im Jahr 1900 schon 2,7 Millionen. Als Entrée zur Ausstellung „Der Flaneur“ empfangen den Besucher zwei fotografische Großaufnahmen von einem Platz in Paris (Anonym, um 1890) und von Berlins Potsdamer Platz (Max Missmann, 1925). In Berlin hatte sich die Einwohnerzahl zwischen 1800 und 1900 sogar verzehnfacht. Mit solch einer räumlichen Ausdehnung entstand auch ein neues urbanes Lebensgefühl, wie man es so in den früheren Städten mit ihren engen Gassen nicht gekannt hatte: der Stadtplaner Georges-Eugène Haussmann (1809–1891) legte die Pariser Boulevards nämlich nicht nur als Aufmarschstrecken für das Militär an (Boule = frz. Kanonenkugel), sondern zugleich auch als großzügige Promenaden für das Bürgertum. Auf diesen Boulevards herrschte alsbald, wie Adolf von Menzel 1869 in einem Bild festhielt, schon an einem simplen Wochentag dichtes Gedränge.

Die Ausstellung ist in sechs Kapitel gegliedert und dokumentiert die Kunst – und Sozialgeschichte des Stadtbummels vom Impressionismus bis ins 21. Jh. Der Bogen reicht von Louis Anquetins Porträt einer Frau beim Abendspaziergang über die Champs Elysées (1890) bis zu einer Installation von Christoph Rütimann (2014) mit Videos von Londoner Straßen und mit realen Bauschranken, wie sie heute in fast allen Städten oftmals den Passanten den Weg versperren. Vincent van Goghs „Le Moulin Blute-Fin“ (1886) zeigt Ausflügler auf dem Treppenaufgang zu einer alten…

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