Prag: Streit um Denkmalplanung

28. November 2019 · Kulturpolitik
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Die „Wlassow-Armee“ hieß offiziell „Russkaja Oswoboditelnaja Armija“ (Russische Befreiungsarmee). Beim Kampf um die Befreiung Leningrads geriet der Sowjet-Offizier General Andrej Wlassow 1942 in deutsche Gefangenschaft, verbündete sich aber 1944 mit Hitlers Wehrmacht und baute mit deren Unterstützung seine „Wlassow-Armee“ auf, die dann an deutscher Seite gegen die Rote Armee in den Krieg zog und u.a. im April 1945 noch das KZ Buchenwald kurz vor dessen Befreiung beschoss, sich aber in den ersten Maitagen 1945 dann den Aufständischen in Prag im Kampf gegen die deutschen Besatzer anschloss. Wlassow wurde von sowjetischen Soldaten festgenommen und 1946 hingerichtet. Auch im heutigen Russland gilt er als Verräter. Nun sorgte der Prager Bezirksbürgermeister Pavel Novotny für einen diplomatischen Eklat, weil er in seinem Amtsbezirk, dem Stadtteil Řeporyje, ein Wlassow-Denkmal errichten will. Die russische Botschaft in Tschechien protestierte in scharfen Worten dagegen, einen Kollaborateur der deutschen Nazis und Kriegsverbrecher solchermaßen ehren zu wollen. Radio Prague International verweist in einer Meldung auf die Einschätzung, mit „dem Denkmal würde Tschechien gegen das Abkommen gegen die Verjährung von Kriegsverbrechen aus dem Jahr 1968 verstoßen“, doch Bürgermeister Novotny hält stur an seinem Vorhaben fest und „verbat sich die Einmischung russischer Stellen in die tschechische Kommunalpolitik.“ In Nanuet im US-Bundesstaat New York gibt es übrigens bereits seit 2006 ein Wlassow-Denkmal, das von der dortigen russisch-orthodoxen Gemeinde errichtet wurde.

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