Sara Shamma für Pavillon von Syrien der 61. Venedig-Biennale ausgewählt
Auf der kommenden Venedig-Biennale wird der Nationalpavillon Syriens von der Künstlerin Sara Shamma mit der Einzelausstellung „The Tower Tomb of Palmyra“ bespielt, kuratiert von Yuko Hasegawa. Die speziell für die Weltkunstschau in Venedig konzipierte Präsentation untersucht das kulturelle Erbe Syriens und die vielfältige Geschichte Palmyras. Dabei setzt sich Sara Shamma mit ihrer Arbeit für die Rückgabe von Artefakten ein, die während des Syrien-Krieges von 2011 bis 2024 geplündert wurden.
Wurden im syrischen Pavillon bislang vorrangig Gruppenausstellungen mehrerer künstlerischer Positionen gezeigt, so markiert diese Ausstellung einen konzeptuellen Wendepunkt, gerade auch in der Thematisierung des Syrien-Krieges aus künstlerischer Perspektive. In der Kombination von Malerei, Architektur, Licht, Sound und Geruch beleuchtet Shamma die vielfältige Geschichte Palmyras in einer großen immersiven Installation, die von den antiken Grabtürmen Palmyras inspiriert ist.
Die Grabtürme wurden als Familienmausoleen in der Wüstenlandschaft zwischen dem 1. und 3. Jahrhundert errichtet und fungierten als weithin sichtbare Monumente. Während des Syrien-Krieges wurden alle Grabtürme nicht nur zerstört, sondern Hunderte Grabbilder daraus geplündert und ins Ausland verkauft. Hierdurch sind die Grabtürme Palmyras zu einem Symbol des Verlusts der Kultur geworden. Vormals kreuzten sich in Palmyra griechisch-römische, aramäische und arabische Kulturen und lebten vor dem Krieg Menschen unterschiedlicher Religionen und Hintergründe harmonisch zusammen.
Die 50-jährige syrische Künstlerin, die in ihren Arbeiten immer wieder Themen wie Verlust, Widerstandsfähigkeit, Identität, Erinnerung und Vertreibung, künstlerisch bearbeitet, führt zu ihrer geplanten Ausstellung im syrischen Pavillon aus: „Mit ‚The Tower Tomb of Palmyra‘ möchte ich das kulturelle Erbe Syriens und die Widerstandsfähigkeit seiner Bevölkerung würdigen. Die Türme von Palmyra sind zwar zerstört, zeugen aber weiterhin von der Stärke und Vielfalt unserer Geschichte. Diese Ausstellung ist nicht nur eine Reflexion über Verlust, sondern auch eine Botschaft der Hoffnung, der Einheit und der Bedeutung des Schutzes und der Wiederherstellung unseres gemeinsamen Erbes.“
Sara Shamma stellt international aus, unter anderem in großen Einzelausstellungen im Nationalmuseum von Damaskus, im King’s College London, wie auch auf Biennalen wie der Sharjah Biennale, der Cairo Biennale und der Mediterranean Biennale. Shamma studierte an der Fakultät für Bildende Künste der Universität Damaskus und lebt nach acht Jahren in Großbritannien nun auch wieder in Damaskus. Werke von ihr befinden sich in namhaften öffentlichen Sammlungen, darunter das Nationalmuseum von Damaskus, das British Council und das Kulturministerium der Vereinigten Arabischen Emirate, sowie in Privatsammlungen.
Die 69-jährige Kuratorin Yuko Hasegawa ist Forschungsprofessorin an der Graduate School of Management der Universität Kyoto und emeritierte Professorin an der Tokyo University of the Arts. Zudem ist sie Programmdirektorin der Abteilung für Kunst und Design im International House of Japan. Hasegawa war Direktorin des 21st Century Museum of Contemporary Art in Kanazawa und kuratierte zahlreiche Ausstellungen in Biennalen. Zur geplanten Ausstellung von Sara Shamma im syrischen Pavillon der Venedig-Biennale führt Yuko Hasegawa aus: „Sara Shammas Werk geht über nationale Narrative hinaus und nutzt die Geschichte Palmyras, um universelle Ideen wie Erinnerung, Verlust und kulturelle Widerstandsfähigkeit zu erforschen. Die Ausstellung lädt das Publikum ein, diese Themen durch ein immersives künstlerisches Erlebnis zu erfahren, und positioniert Syrien fest im globalen Diskurs der zeitgenössischen Kunst.“
Zu sehen ist Shammas „The Tower Tomb of Palmyra“ vom 9. Mai bis zum 22. November 2026 im Nationalpavillon Syriens im Innenhof des Architekturinstitut der Universität Venedig auf dem Campus Cotonificio.
Dazu in Band 296 erschienen: