Titel: Geplante Malerei , 1974

LOTHAR ROMAIN

Ansätze und Vorsätze

ZUR AUSSTELLUNG ‚GEPLANTE MALEREI‘ IM WESTFÄLISCHEN KUNSTVEREIN MÜNSTER

Es muß allerdings gesagt werden, daß es sich bei der neuen Malerei um eine Erscheinung handelt, die gerade erst im Entstehen begriffen ist, also noch nicht definitiv analysiert werden kann.‘

Nicht übertriebene Vorsicht oder gar Zaghaftigkeit veranlaßt Klaus Honnef in seinem Katalogvorwort zu solcher Einschränkung. Der Hinweis ist notwendig; denn man sieht erstaunt Neues, das in Einzelstücken schon bekannt und geläufig war; man erkennt eine übergreifende Tendenz, doch es fehlen Erfahrungen und Kenntnisse, um sie inhaltlich auszuloten.

26 Künstler wurden in dieser Ausstellung des Westfälischen Kunstvereins vorgestellt, von Berthot und Calderara über Gaul, Girke und Graubner bis hin zu Ryman, Tornquist und Zeniuk, um eine willkürliche Auswahl zu nennen. Im Titel drückt sich Mut zum Etikett aus: ‚Geplante Malerei‘ – den Zufall schauderts: vergebliche Hoffnung auf genialische Augenblicke. Klaus Honnef verwendet gleich eine enggedruckte Katalogseite darauf, das Etikett zu verteidigen, zu erläutern. Er spricht vom rationalen Konzept, das allen Werken zugrundeliegt. Das meint nicht eine wo auch immer allgemein theoretische Formel, nach der man scheinbar Geheimnisvolles enträtselt, auch nicht eine Art Gebrauchsanweisung, wie sie Ende der sechziger Jahre Arbeiten angeheftet war, deren bedauerliche Mehrdeutigkeit ideologisch ein eindeutiges Bekenntnis zugetragen werden mußte, damit die gesellschaftliche Kraft von Kunst manifestiert war.

Das rationale Konzept: zu Beginn der Plan, nach dem die Arbeit entstehen soll und während des Entstehens kontrolliert wird, im Resultat dann in beinahe allen Fällen die Struktur, die das Lesen der individuellen Ordnung möglich macht. Z.B. Girke oder Bob Ryman mit ihrer beinahe…

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von Lothar Romain

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