Monografie · S. 155
Monografie , 1974

KLAUS HONNEF

Zu den frühen Zeichnungen von Winfred Gaul

Auf dem Hintergrund einer Malerei, die sich nach einer Phase konsequenter Ent-Sinnlichung in der zeitgenössischen Kunst (Conceptual Art) um die unmittelbare Wirkung sinnlicher Daten bemüht, ohne jedoch auf die vertrauten Muster figurativer oder abstrakter Kunst zu verfallen, gewinnen Zeichnungen (und Bilder) von Winfred Gaul aus den Jahren 1957 bis 61 wieder an Interesse. Obwohl diese Arbeiten seinerzeit weidlich bekannt und auch mehrfach ausgestellt wurden – die Bilder in der galleria Blu, Milano und im Januar 1962 in der Robert Elkon Gallery, New York – sind sie mittlerweile weitgehend in Vergessenheit geraten und bedürfen deswegen einer neuen und im Lichte der eingetretenen Entwicklung sich vollziehenden Einschätzung. Daß sie in Vergessenheit geraten konnten, hat eine Reihe von Ursachen, nicht zuletzt die, daß einem so versatilen, intelligenten und experimentierfreudigen Künstler wie Winfred Gaul mit dem fragwürdigen und letzten Endes unhaltbaren Hinweis, ihm gebräche es an künstlerischer Konsequenz, in der Bundesrepublik Deutschland die Beachtung verwehrt wird, die ihm zweifellos zukommt. Welche Ignoranz in einem solchen Vorwurf, der überdies Künstler zur Herausbildung einer kommerziell verwertbaren Trademark geradezu drängt, zum Ausdruck gelangt, belegte schlagend die Retrospektive Gauls die 1973/74 von vier deutschen Kunst Instituten veranstaltet wurde. Sie machte deutlich, daß trotz einer Vielfalt formaler (und mitunter auch inhaltlicher) Ausprägungen, die ja doch imgrunde nur von einer fruchtbaren künstlerischen Phantasie zeugen, das Werk durch eine einheitliche Haltung bestimmt und durch wenige, stets wieder aufgenommene und durchgearbeitete Grundzüge strukturiert wird.

Deshalb auch wäre es verfehlt, den Zeichnungen der Jahre 1957-61, um die…

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