Titel: Talk show der documenta 6 , 1977

Joseph Beuys

Das System nährt den Terrorismus am Busen

Du warst, glaube ich, der einzige Künstler, der auf vier documenten hintereinander vertreten war und ist. Wie siehst Du das, einmal für Dich, und einmal die Abfolge der documenten allgemein?

[Sprechweise: warm, hell, weit ausholend, gerade Strecken und Hakenschläge wechseln in der Konzentration ab.] Für mich hat es, doch, eine ganz große Bedeutung dadurch gehabt, daß wichtige Stufen meiner Vorstellung von der Entwicklung der Kunst durch das, was ich auf der documenta gemacht habe, bis an den Punkt herangeführt werden konnten, wo das ganze Problem der Kunst selbst zu Tage treten kann [1964: Zeichnungen und erste Wachsund Fettskulpturen. 1968: großes Filz-Kupfer-Environment. 1972: Büro für direkte Demokratie. 1977: Freie Hochschule. Wenn Beuys sich persönlich als Außenseiter auf den documenten empfand, so stellen doch rückblickend seine Beiträge exemplarisch den Stand der Kunstdiskussion dar: 1964 ging es um eine neue Ästhetik, 1968 um Grenzüberschreitung und Inanspruchnahme der Öffentlichkeit, 1972 um direkte politische Einwirkung, 1977 um Grundlagen kollektiver Vermittlung.]. Die Stufen, die man in der modernen Kunst ersteinmal setzen mußte, mit gewissen Innovationen, dann mit erweiterten Innovationen, mit den Environments und mit den schon damals sich anschließenden …

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