Der Künstler
Narr
und
Nomade
Von Paolo Bianchi
Was ist eine Künstlerin, ein Künstler? Heiliger? Held? Gaukler? Macher? Besessener? Inspirierter? Prometheus? Dädalus? Midas? Narziss? Revolutionär? Rebell? Leitfigur? Vorkämpfer? Vordenker? Prophet? Erzieher? Entdecker? Erfinder? Konstrukteur? Selbstdarsteller? Scharlatan? Schamane? Genie? Der Schriftsteller Paul Nizon hat am Beispiel von Vincent van Gogh, diesem Künstler der Künstler, aufgezeigt, wie sich die verschiedensten Aufträge und Rollen, die der Künstler in der Gesellschaft bisher zugewiesen bekommen oder vorgelebt hat, in „einer legendären Person und einem genialen Werk“ sich bündeln: „derjenigen des Sehers, Lehrers, Lebenshelfers, des Erkenntnis-, Wahrheitssuchers und Mystikers; des Erweckungspredigers, Befeuerers, Beatmers; des Naturgläubigen, ja geradezu Naturheilkundigen; des demütigen Laienbruders franziskanischen Geistes und des blitzeschleudernden Erleuchteten, des Offenbarungs- und Verkündigungskünstlers; des Traditionalisten und Neuerers; des Rebellen, artiste maudit, Revolutionärs; des Streiters für die Unterprivilegierten und eine bessere Welt, des moralischen Anstifters; des landschaftlichen Entdeckungsreisenden und kosmischen Ekstatikers, des Künstler-Existentialisten; des wirklichkeitshungrigen und schöngeistigen Individualisten, Naiven und Intellektuellen in einem; des Universalisten und Magiers, auch des Psychographen; des Inbegriffs schöpferischer Potenz und geistiger Luzidität {…} Rollen und Aufträge, die wohl definitiv der Vergangenheit angehören. Denn die genannten Funktionen wird ein Künstler so nie wieder in sich vereinigen, diese humane Bedeutung nie wieder erlangen können.“1
Der vorliegende Essay versucht, nach einigen begriffs(er)klärenden Ausführungen die These zu erhärten, dass sich im 20. Jahrhundert praktisch alle Künstler im Outside, am Rande der Gesellschaft, befinden. Der Künstler spielt eine Nebenrolle. Der Künstler ist der Aussenseiter par excellence. Einen Schritt weitergehend, interessiert hier die Innenseite der Aussenseiter. Auf der einen Seite soll das Element…
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Wichtige Erwähnungen
Ian Anüll Gabrielle Alioth Paul Bowles Peter Volkart Biefer & Zgraggen Paul Nizon Bruce Chatwin Vilém Flusser Michel Foucault Jean Dubuffet Richard Long Hamish Fulton Georg Baselitz Ken LumWeitere Nennungen
Jack Kerouac Allen Ginsberg Gregory Corso Fritz Billeter Michel Thévoz John Kane Horace Pippin William Seward Burroughs Aurel Schmidt Ian Wallace Heiny Widmer Patrick Frey Werner Hofmann Vincent van Gogh Brion Gysin Gerhard Merz Michel Serres Jean-Michel Basquiat Henri Cartier-Bresson Andy Warhol Jeff Wall Francisco José Goya y Lucientes Rodney Graham Günter MetkenDAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN















