Titel: Outside USA · von Michel Thévoz · S. 170
Titel: Outside USA , 1991

Rosemarie Koczy (*1939)

Die Weberin Schwarzer Dunkelheiten

Von Gerd Presler und Michel Thévoz

Ich habe meine Arbeit in der Bäckerei eingestellt und bin jetzt in einem Altersheim mit vielen gehbehinderten und auch kopflosen und paralysierten Patienten. Ich fahre alle mit dem Rollstuhl herum. Diese Arbeit ist viel schlimmer, da sie uns die Wahrheit sagt über unser Ende… Bitte… bleiben Sie gesund und haben Sie viel Freude und bereiten Sie auch viel Freude. Ohne Freude am Leben bleibt nichts. Das Ende, das ich jetzt sehe und erlebe, ist nicht schön. Aber es gibt mir viel Einblick, was die ‚Condition humaine‘ ist, und wo sie hinführt.“ Diese Zeilen von Rosemarie Koczÿ erreichten mich im April 1989. Sie erschüttern – und liefern ein zentrales Wort ihrer Weltsicht, ein gutes Wort.

Das umfangreiche Werk von Rosemarie Koczÿ – 160 grosse Acrylbilder, 130 Ölgemälde und ungefähr 4 000 Zeichnungen – kennt keine Titel. Es gibt letztlich keine Einzelwerke. Das Thema, das alles, was bisher entstand, und alles, was noch entstehen wird, umfasst und innerlich verknüpft, ist die Frage nach den Grundlagen des Menschlichen, den Grundtatsachen des Lebens. Koczÿ: „Das Thema des Ganzen ist jene ‚Condition humaine‘, die ich verstehen möchte. Der Weg scheint mir zu sein: Man kann viel lernen von vielen Menschen.“

Rosemarie Koczÿ (geboren 1939 in Recklinghausen am Rande des Ruhrgebiets) bemalte sich im Alter von zwölf bis dreizehn Jahren selbst, ihren ganzen Körper. Ihre Mutter bestrafte sie. „Dann habe ich alle Stellen, die die Spuren der Bestrafung trugen, rot angemalt. Als meine Mutter entsetzt bemerkte: „Wie siehst…

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