Gespräche mit Wissenschaftlern · von Florian Rötzer · S. 84
Gespräche mit Wissenschaftlern , 1991

Rüdiger Bubner

Ästhetisierung der Lebenswelt

Ein Gespräch von Florian Rötzer

In seinem neuesten Buch versammelt der Philosoph Rüdiger Bubner Aufsätze, die angesichts der Veränderungen des Verhältnisses von Kunst und Leben Ansatzpunkte für eine angemessene ästhetische Theorie eruieren wollen, die auf die konkreten Phänome der Kunst ausgerichtet ist. Trotz dieses Anspruchs bleiben seine Erörterungen beim Grundsätzlichen und Allgemeinen, was die Schwäche und Stärke zugleich philosophischer Überlegungen kennzeichnet.

Bubner geht davon aus, daß die „radikale Selbstbefreiung der künstlerischen Produktion aus dem herkömmlichen ontologischen Gehege und die planmäßige Überwindung eines jeden Kanons die Möglichkeit der Theorie hoffnungslos hinter sich gelassen“ haben. Insbesondere stellt er für die Philosophie fest, daß die Zeit systematischer Ästhetiken endgültig vorbei sei und die Kunst, exemplarisch bei Adorno und Heidegger, meist nur als ein Medium benutzt werde, „in dem die Philosophie Vergewisserung über ihren eigenen theoretischen Status sucht. Die Philosophie sagt nicht, was die Kunst ist, eher soll die Kunst zeigen, was die Philosophie ist“. Deutlich macht Bubner die Schwierigkeiten einer philosophischen Ästhetik, indem er zeigt, daß jeder Versuch, das Kunstwerk als Ort oder als Erscheinung von Wahrheit zu bestimmen, eben jene Kategorie des Werks und seiner Einheit voraussetzen muß, die von der modernen Kunst unterhöhlt wurde: „Alle jene ästhetischen Phänomene, die nicht auf der festen Grenzziehung zwischen Werk als zweiter Wirklichkeit und der gegebenen Realität aufbauen, sondern mit der Einebnung der Grenzen spielen und ihre Effekte aus der Zweideutigkeit verschwimmender Definitionen ziehen, nehmen die Skepsis gegenüber der Geschlossenheit des Werks in ihr Zentrum auf.“

Bubner ist der Meinung, daß einzig im Anschluß an…

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