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Essay · S. 23 - 24
Essay , 1983

Für Künstler nichts, für Bürokraten ein Fressen

von Lothar Romain

Viel Freude wird der nordrhein-westfälische Wissenschaftsminister an seinem Entwurf für ein Kunsthochschulgesetz nicht haben; denn bei den Betroffenen löst er größtenteils Unverständnis und sogar unverhohlenen Ärger aus. Und auch die veröffentlichten Kommentare dazu sind wenig geeignet, dem Minister fachliche Fortune zu bescheinigen. Der Plan des Wissenschaftsministeriums, seit Jahren ausgeklügelt, ist eine rechte Bürokratengeburt geworden, jedenfalls was die Kunststudienstätten des Landes betrifft. Geht es nach der in NRW allein regierenden SPD, dann sollen die bisherige Düsseldorfer Akademie mit ihrer Dependence Münster und der Abteilung „Kunst und Design“ der Fachhochschule Köln zu einer Großausbildungsstätte zusammengelegt werden. Für die Kölner mag darin das Quentchen Freude stecken, nun endlich in eine Hochschule umgewandelt zu werden – noch immer eine Abteilung, aber wenigstens mit neuem Status. Für die Düsseldorfer und auch für die längst weitgehend selbständigen Münsteraner dagegen bietet diese Geburt nichts als Ärger, Zuwachs an sinnloser Bürokratie und beinahe unausweichlichem Verlust an Qualität. Ein neues Aachener Klinikum droht – diesmal für Künstler.

Der Entwurf wird über das Land Nordrhein-Westfalen hinaus bedenklich, wenn sich darin die allgemeinen kulturpolitischen Einsichten und Empfindlichkeiten der Sozialdemokraten widerspiegeln sollten; denn in Düsseldorf kann man sich nicht auf einen Koalitionspartner herausreden. Die Farbe, die die SPD allerdings jetzt bekennt, will niemand als leuchtend anerkennen. Schon 1981 hatte der Wissenschaftsminister einen Vorentwurf zum neuen Gesetz zur Diskussion gestellt, der die Zusammenfassung der Institutionen vorsah und schon damals auf heftigen Widerspruch und begründete Abwehr stieß. Ein auferzwungener Zusammenschluß gefährde nicht nur die bisher gehaltene bzw….

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