Editorial · S. 3
Editorial , 1983

Zu diesem Heft

In den letzten Monaten ist ein neues Interesse an der Skulptur sichtbar geworden, so daß nunmehr kurz nach der Malerei eine zweite „klassische“ Gattung der bildenden Kunst wieder in den Mittelpunkt des aktuellen Kunstbetriebs geraten ist, der lange Zeit andere Medien und Gattungen favorisiert hatte. Vorzeichen dieses Sinneswandels waren spärlich aber deutlich, der Beitrag von Georg Baselitz zur Biennale Venedig 1980 etwa, seine sitzende Figur, war einer der Vorboten des Trends, der sich auf der documenta? nur am Rande, dafür aber in der Zeitgeist-Ausstellung mit Nachdruck abzeichnete: in Berlin waren unter anderen Mimmo Paladino, Sandro Chia, Markus Lüpertz, A.R. Penck, die auf der documenta nur Gemälde gezeigt hatten, auch mit Skulpturen vertreten; zusammen mit den Skulpturen von Immendorff und Höckelmann zeichnete sich ein ungewohntes Übergewicht jener merkwürdigen Zwischengattung ab, die als Skulpturen von Malern ins Gerede kam.

In diese Richtung wurde auch eine Ausstellung uminterpretiert, welche die Galerie nächst St. Stephan (Wien) im Sommer 1982 noch der Neuen Skulptur gewidmet hatte, die aber bereits im Winter umgruppiert und ergänzt als Skulpturen von Malern in der Galerie Rolf Ricke (Köln) fungierte; Ulla Frohne analysiert anhand dieser beiden wichtigen Ausstellungen den neuen Trend.

Nun ist es keineswegs ungewöhnlich, daß Maler auch Bildhauer sind und Bildhauer auch malen, erst kürzlich legte der Karlsruher Kunsthistoriker Andreas Franzke eine Abhandlung über Skulpturen und Objekte von Malern des 20. Jahrhunderts vor (im DuMont Verlag), die belegt, wieviele Maler es in diesem Jahrhundert zur dritten Dimension hinzog. Es ist aber nicht nur eine kunsthistorische Angelegenheit, die Legitimität…

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