Berlin
Henrike Naumann
Einstürzende Reichsbauten
Kunsthaus Dahlem 08.08.– 28.11.2021
von Ingo Arend
„Möbilisierung“ – mit diesem Neologismus hat Henrike Naumann einmal auf die Frage nach dem Charakter ihrer Arbeit geantwortet. In der Tat fasst die Vokabel diese im ästhetischen Bermudadreieck zwischen Form, Inszenierung und der politischen Energie, die sie antreibt. Möbel stehen auch in der jüngsten Schau. Gleich am Eingang in den zentralen Raum des Kunsthauses Dahlem, von 1942 bis 1943 „Staatsatelier“ des Bildhauers und NS-Heroen Arnold Breker, stehen die Besucher vor einem Sofa-Ensemble in altrosa – eine Hinterlassenschaft von Gerdy Troost, die als Innenarchitektin das Interieur für das „Haus der deutschen Kunst“ in München und für Hitlers Landhaus Berghof in Obersalzberg entwarf.
Auf den ersten Blick wirkt der Auftritt wie Drittverwertung. Denn Naumann hat die Schau „Ruinenwert“, die 2019 in der Berliner Galerie KOW und Anfang 2020 im Münchener Haus der Kunst zu sehen war, für das Kunsthaus fast deckungsgleich übernommen. Wobei „Einstürzende Reichsbauten“, der neue Titel, den Bandnamen der legendären, 1980 gegründeten Experimentalgruppe um Blixa Bargeld, auf ironische Weise variiert. Schließlich ist Brekers Refugium einer der wenigen, von NS-Baumeister Albert Speer geplanten Monumentalbauten, die den Krieg überstanden haben. Andererseits ist das Haus, das 2015, nach Jahren als Ateliernutzung durch die Bildhauer Bernhard Heiliger und Emilio Vedova zum Ausstellungshaus umgewidmet wurde, eine zwingende Location für das Ensemble. Und womöglich stand derselbe Gedanke für die Schau Pate, die die „Einstürzenden Neubauten“ 1986 dazu bewog, im Goldenen Saal des Nürnberger Reichsparteitags-Geländes aufzutreten.
Nur mit den Troost-Möbeln hätte Naumann den „Exorzismus“-Effekt, mit dem Bargeld „eine andere Präsenz“…
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