Monografie , 1973

Axel Hecht

Les Levine

Kein einziges Bild hat Les Levine, 36jähriger Künstler irisch-jüdischer Abstammung, je gemalt, weil ’selbst gute Bilder schon bei ihrer Entstehung antiquiert sind‘. Mit dieser radikalen Negation verschafft sich Levine die produktive Plattform für sein gesamtes Oeuvre. Der von der Kunstgeschichte über fünfzig Jahre hinweg domestizierte Schock Marcel Duchamps gewinnt auf einer neuen Ebene Aktualität und Ursprünglichkeit. Doch wo Duchamp seine Aggressionen pointenhaft isolierte, integriert Levine seine Projekte in einem zuweilen ausufernden Kontext, der alle medialen Bereiche umfaßt.

Im anti-romantischen Klima amerikanischer Gegenwartskunst ersetzt Levine künstlerische Subjektivität durch kollektive Erfahrung. Oft geht es dabei um die Verbreitung von Informationen über soziale Systeme. Schon sein virtuoses Jonglieren mit sämtlichen technischen und physischen Medien zielt im permanenten Wechsel auf die Verhinderung jeder spezifischen Handschrift. So ließ Levine vor einem Jahr bei einer Ausstellung in der Hamburger Galerie de Gestlo triviale Bildvorlagen aus Kinderbüchern als Dia-Serie vervielfältigen. Es blieb dem Käufer überlassen, die auf Papier projizierten Umrisse zu kolorieren. Verunsicherung lösten die in der Galerie präsentierten ‚Muster‘ aus, die von Kritik und Publikum als ‚Endprodukt‘ aufgefaßt wurden.

An einem anderen Projekt partizipierte der Bekanntenkreis des Künstlers per Telephon. Die über eine gewisse Zeitdistanz aufgezeichneten Gespräche wurden als Tapes vervielfältigt, wobei die Flüchtigkeit der Kommunikation zum bestimmenden Charakter der Konserve wurde. Der Künstler verzichtete auf jede Redaktion, das Banale bleibt in seiner Authentizität erhalten. Die jetzt in der Galerie de Gestlo mit dem Anspruch einer ‚musealen Retrospektive‘ auftretende Ausstellung ‚Close up‘ umfaßt in der Form von Photo-Displays 31 Stücke aus den vergangenen neun Jahren. Die…

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