Monografie · von Wolfgang Becker · S. 130
Monografie , 1973

Wolfgang Becker

Ben Schonzeit

1971 sagt Ben Schonzeit: ‚Ich lag buchstäblich mit den Ellbogen und Knien in der Farbe.‘

1964 sagt James Rosenquist: ‚Die Farbe tropft mir aus den Achselhöhlen‘.

Der Vorgang ist ein Atavismus der Kulturgeschichte, ohne den es keine Kunsttheorie gäbe. ‚Merkwürdige Dinge begannen zu passieren‘ (Schonzeit). ‚Ich habe eine ganze Menge Arten gesehen, wie Farbe Form annimmt, und was sie tut und was ich aufregend fand und was nicht‘ (Rosenquist). Keine Theorie kann sich vor diesem ursprünglichen Erlebnis drücken. ‚Ich brachte Farben nach Hause, die ich liebte, Farbverbindungen, die ich gerne in meiner abstrakten Malerei verwendete. Ich erinnerte mich an Besonderheiten: das war das Braun einer schmutzigen Speckdose, das war das Gelb eines gelben Sporthemdes, dies war ein Man-Tan-Sonnenöl-Orange. Ich erinnerte mich an eine spezifische Farbe, wie man sich an ein Alphabet erinnert‘ (Rosenquist). ‚… ich lehrte Kunst an einer Oberschule und wollte meinen Schülern beibringen, den abstrakten Wert der Dinge um sie herum visuell zu begreifen. Wenn ich Design lehrte, sprach ich über Schaufenster und Obstauslagen. Der Obsthändler, der Ananas ausstellte, war irgendwie ein Künstler‘ (Schonzeit). Bekenntnisse des Künstlers zu seinem eigenen Environment, assoziative Impulse, die das ‚große Abstrakte‘ und das ‚große Reale‘ in Frage stellen, müssen dem Kunsttheoretiker verdächtig erscheinen. Der Kunsttheoretiker liebt solche Äußerungen: ‚Als Künstler mache ich Kunst um der Kunst willen, ich arbeite mit Farbe und strukturiere rohe Materialien zu einer einheitlichen Äußerung – hoffentlich einer Äußerung, die nicht nur klar, sondern auch gleichzeitig vieldeutig ist. Wenn einer sagen kann, daß ein Bild vom – sagen…

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