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Magazin: Museen & Institutionen · S. 280 - 289
Magazin: Museen & Institutionen , 1984


Oh herrlich Arkadien – oh schwere Kunst

Die Villa Romana in Florenz zwischen gestern und morgen
von Annelie Pohlen

Schwüle lag über der Stadt. Der Lärm von der via Senese dröhnte durchs Gartentor. Nicht einmal das heitere Geplaudere des Vernissagepublikums konnte ihm etwas anhaben. Wenn etwas dauert in der Villa Romana zu Florenz, dann dieser ununterbrochene Lärm einer großstädtischen Ausfallstraße.

Dennoch, die Stimmung war heiter an diesem Abend im Hochsommer. Festliche Anlässe in der herrschaftlichen Villa aus dem 19. Jahrhundert sind inzwischen beliebter Treffpunkt für kulturbeflissene Deutsche und Italiener – natürlich nicht nur für die. Anlaß diesmal: die Eröffnung einer Ausstellung des italienischen Fluxus- und Concept-Künstlers Giuseppe Chiari im ‚Salone‘ der Villa Romana. Anschließend Büffet im Garten und noch später Tanz im Entrée dieses für Ismail Pascha, den Erbauer des Suez-Kanals, errichteten Sitzes.

Am nächsten Morgen diesseits der Mauern Stille; eine Stille, die so sehr gegen das Motorengetöse von draußen ankämpft, daß sich mehr noch als sonst das Bedürfnis aufdrängt, über den Status der Villa nachzudenken. Was bedeutet dieses Haus, dieser seit seiner Gründung (1905) bis heute von einem Verein getragene Außenposten deutscher Kunstförderung im weiten Meer vergangener italienischer Renaissance-Herrlichkeit? Belebende Abende wie der geschilderte Eröffnungsempfang mit dem anmutigen Klang deutsch-italienischen Stimmengewirrs waren nicht immer selbstverständlich. Die Kulturmetropole der Vergangenheit und Händlermetropole der Gegenwart ist abweisend.

Als Joachim und Katalin Burmeister 1972 die Leitung des Künstler-Atelier-Hauses übernahmen, war das Institut in der Arno-Stadt kein Begriff. Zudem, es fehlte den deutschen Stipendiaten, mehrheitlich Vertreter des aktuellen deutschen Kunstgeschehens, an Plätzen, wo sie in der von Vergangenheit…

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