Titel: Idylle oder Itensität · von Pier G. Carizzoni · S. 194
Titel: Idylle oder Itensität , 1980

Pier G. Carizzoni

Radio Popolare

Offiziell entstanden die privaten Radio- und Fernsehsender in Italien nach dem Urteilsspruch des Verfassungsgerichtes, daß das Staatsmonopol für Radio und Fernsehen keine gesetzliche Grundlage habe. Inzwischen ist die Zahl der Sender beträchtlich gewachsen. Laut neuer Umfragen schaltet circa ein Drittel der Italiener täglich einen privaten Radio- oder Fernsehsender ein. Um eine annähernde Vorstellung von der Bedeutung des Phänomens zu geben, reicht die Angabe, daß heute ca. 1500 private Fernsehsender gemeldet sind und einige tausend Radiosender, wenn auch nicht mehr als vierzig Prozent regelmäßig funktionieren, jeden Tag ein Programm ausstrahlen.

Zu Anfang waren die Programme der Sender spürbar improvisiert. Beschämendes kulturelles Desinteresse kam zum Ausdruck im Rückgriff auf die schlimmsten Allgemeinplätze und Abfallprodukte des Schaugeschäfts. Heute, wo unternehmungslustige Unternehmer mit der direkten Unterstützung von Verlegergruppen und Politikern in dieses Feld eingedrungen sind, hat eine schon vorhandene Gruppe von Sendern sich mit der besten Technik ausrüsten können. Sie kann ein paar professionell anständige Programme produzieren. Die reichsten Sender – Sender verschiedener Regionen, die sich zusammengeschlossen haben – haben auch erprobte erfolgreiche Programme eingekauft, vor allem auf dem amerikanischen Markt, um „mit gleichen Waffen“ konkurrenzfähig für das nationale Fernsehen zu werden (RAT-TV).

Zweifellos bestimmt und inspiriert auch in diesem Fall vor allem das kommerzielle Profitsystem jede Auswahl, speziell da, wo Reklamefirmen jährlich Millionen in Privatsender investieren. Unter kulturellen Gesichtspunkten ist die Qualität der Durchschnittsproduktion der italienischen privaten Sender generell mittelmäßig – mit einigen seltenen Ausnahmen, von denen hier die Rede sein wird. Denn es scheint mir von Interesse zu sein, in diesem…

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