Titel: Idylle oder Itensität · von Jean-Christophe Ammann · S. 172
Titel: Idylle oder Itensität , 1980

Jean-Christophe Ammann

Was die siebziger Jahre von den Sechzigern unterscheidet:
Der Weg in die achtziger Jahre.

Es geht im folgenden um den Versuch einer Gegenüberstellung dessen, was in der bildenden Kunst, vereinfacht gesehen, die sechziger und was die siebziger Jahre geprägt hat. Vereinfacht gesehen deshalb, weil die Gegenüberstellung bewußt polarisiert erfolgt, um einerseits einen klaren Unterschied in der Haltung der Künstler und andererseits eine veränderte Wirklichkeit, vor allem aber einen veränderten Wirklichkeitsbezug exemplarisch zum Ausdruck zu bringen.

Wir können feststellen, daß in der bildenden Kunst der sechziger Jahre dominierende Stiltendenzen (wie Pop Art, Minimal Art, Conceptual Art) vorherrschten, daß die Natur dieser Kunstrichtungen expansiv angelegt war, und daß Strukturprobleme im Vordergrund standen.

Im Vergleich finden wir in den siebziger Jahren Bildhaft-Figürliches, Verinnerlichungstendenzen und vor allem die Abwesenheit dominierender Stiltendenzen.

Die figürliche Zitat-Malerei, Skulptur- und Objektkunst der Pop Art war insofern expansiv angelegt, als sie die Bildwelten des urbanen Alltages in die Kunst einbezog und umgekehrt die Kunst ganz nahe an den Alltag heranzubringen trachtete (siehe Claes Oldenburg mit seinem „Laden“, 107 East Second Street, 1962, wo er vornehmlich eßbare Gegenstände, in Gips ausgeführt und bemalt, verkaufte).

Expansiv äußerten sich aber auch Minimal- und Konzept-Kunst, war doch eines ihrer großen Themen in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre das Strukturprinzip ‚Ordnung und Unordnung‘ / ‚Zufall und Notwendigkeit‘. Wie die Biologie (Jacques Monod, „Le hasard et la necessité“, Paris 1970) suchte die Kunst nach einem Verständnis von Welt, nach einer neuen Kosmologie. Ilya Prigogine und Isabelle Stengers sagen es in „Nouvelle Alliance -Metamorphose de la science“ (Paris 1979)…

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