Ausstellungen: Köln · von Amine Haase · S. 146
Ausstellungen: Köln , 1982

Videokunst in Deutschland 1963-1982

Wut ist die Stimmung, die aus den frühen Video-Skulpturen von Wolf Vostell, Joseph Beuys, Wolf Kahlen und Günther Uecker spricht. Noch nach 20 Jahren überträgt sich dieser Zorn, der sich als Zerstörungslust äußert. Lähmung oder Zertrümmern eines Mediums, das die Künstler damals gerade für sich entdeckten, war der Gipfel der Ausbrüche. Das Fernsehen, das sich derselben elektronischen Technik bedient wie Video-Kunst, wurde einbetoniert, mit Filz zugeklebt, mit einer Spiegel-Front versehen oder von einem Nagel durchbohrt. Das heißt – die Künstler attackierten die Hülle des Fernsehens, den Kasten, meinten wohl aber das, was ihn füllte: das (meist jämmerliche) Programm. Diese auf das Äußere zielenden Angriffe führten zu „Skulpturen“, die nichts mehr mit herkömmlichen Bildhauerei-Begriffen zu tun hatten und noch nichts mit „Video-Kunst“.

Kriegsbilder wie jeder sie aus den TV-Nachrichten kennt; die Brandstätten der Welt ähneln sich im Mattscheibenformat in furchterregender Weise. Ein Mann in enervierender Schaukelbewegung; Ausdruck eines ratlosen, frustrierten Rückzugs in sich selbst. Auf zwei Monitoren konfrontiert Klaus vom Bruch 1982 das äußere und innere Chaos: „Schwebezustand – Alles klar in die falsche Richtung.“ 1982 beziehen sich Video-Installationen auf Fernseh-Inhalte – und gehen darüber hinaus.

Die ersten Kämpfe TV/Kunst um Vermittlung und Öffentlichkeit sind ausgefochten. Die Künstler benutzen (1980) das elektronische Medium für individuelle Inhalte und Formgebung und verausgaben sich weniger (als 1960) in – ziemlich aussichtslosen – Angriffen auf den kommerziell orientierten Bruder Fernsehen. Das könnte eine der Erkenntnisse sein, die „Videokunst in Deutschland 1963-1982“ vermittelt – die erste große zusammenfassende Ausstellung zu diesem Thema, vom Kölnischen Kunstverein…

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