Ausstellungen: München · von Hanne Weskott · S. 160
Ausstellungen: München , 1982

Toto Frima, „Autopolaroids“

Galerie Pol, München

Toto Frima, 1953 in Den Haag geboren, arbeitet seit zwei Jahren mit Polaroids und hat doch schon eine beachtliche internationale Ausstellungsliste aufzuweisen. In Deutschland sind ihre Arbeiten zum erstenmal zu sehen.

Wie schon der Titel der Ausstellung besagt, ist derzeit ihr einziges Thema sie selbst, ihr nackter oder teilweise bekleideter Körper, den sie nie unbefangen, sondern immer in Pose vorführt. Sie wendet sich ganz bewußt an einen Betrachter, dessen Vorstellung von einer sinnlich reizvollen Frau sie in ihre Arbeit miteinbezieht. So arrangiert sie sich z.B. als Teil einer ästhetischen Komposition, die das Voyeurhafte in eine Sphäre von künstlicher Schönheit entrückt. Oder sie beginnt mit dem Nachstellen einer Pose einen inneren Dialog, der im besten Falle auf den Betrachter übergreift. Dann durchbricht sie jede Tabugrenze, die einen Rest an Intimität retten könnte. Sie scheut auch nicht vor Klischees und liefert sich damit bewußt oder unbewußt den echten Voyeuren aus.

Der Bruch zwischen Foto = Kunst und der eigenen Person wird deutlich, wenn sie die Flasche, aus der sie die rote Flüssigkeit, die ihr auf dem Foto als Blut Hände, Schenkel und Scham befleckt, genommen hat, mit abbildet. Das war vielleicht nur Zufall, wurde dann aber akzeptiert. Um Erfahrungen künstlerisch umzusetzen und zu verdeutlichen, genügt es nicht, das Leben abzubilden, auch wenn gerade dem Polaroid Spontaneität als Wesensmerkmal zugeordnet wird. Für sie ist es ein Medium, um künstlerische Aussagen zu machen und dazu gehört die Inszenierung ebenso wie die nachträgliche Auswahl. (Juni/Juli 82)
Hanne Weskott

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