Ausstellungen: München , 1982

Gerald Domenig, „weiter“

Galerie am Promenadeplatz, München

„domenigs ordnung“ ist ein von der Galerie am Promenadeplatz herausgegebener Band mit Zeichnungen überschrieben: „täglich ändern“ lautet die Fortsetzung im Inneren. Kunst nicht als Festschreibung, sondern als Möglichkeit, die die Veränderung beinhaltet. Domenigs Zeichnungen, meist in Viererblöcken angeordnet, lassen das deutlich werden. Skizzen, die oft nur aus wenigen Strichen bestehen, werden beim nächsten Arbeitsvorgang wieder aufgenommen, erweitert oder in eine neue Form überführt. So werden Gegenstände nur angedeutet und bleiben wandelbar in der Arbeit und in der Wahrnehmung. In seiner ersten Ausstellung nannte Domenig seine Darstellungen „Kipper“, weil ihre Lesbarkeit immer zweideutig blieb (vgl. Kf. 31). Wenn in den jetzigen Zeichnungsfolgen Menschen oder Gegenstände eindeutig erkennbar werden, so wird diese „Festlegung“ durch ihre Vorstadien relativiert, die sie eben doch nur als eine von vielen Möglichkeiten offenbaren.

In den großformatigen Malereien auf Papier war Domenig zwischenzeitlich zu einem fast systematischen Farbauftrag gekommen: längs gerichtete parallele Pinselstriche ‚hängen‘ an einem quergerichteten, dem sich ‚unabhängige‘ vertikale in den Weg stellen. Ein Kräftespiel, das in einem wild sich auftürmenden, auf den ersten Blick recht wirr scheinenden Farbgefüge kulminiert. Aber bald löst es sich wieder auf und der Pinsel schwingt frei, setzt unvermutet wieder ab, fordert eine Gegenbewegung heraus, die dann ebenso plötzlich, und für den Betrachter fast unmotiviert abbricht. Der große Papierbogen wird als begrenzte Malfläche einfach ignoriert. Irgendwo, oft entgegen allen Regeln von Komposition und Zentrierung, setzt die Malerei ein, die nur sich selbst meint und keinem anderen Gesetz als dem des Augenblicks folgt: die Bewegung mit einem nassen…

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von Hanne Weskott

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