Essen: Folkwang-Atoll

Kunst braucht einen langen Atem: Eigentlich wollte der Velberter Künstler Norbert Bauer sein „Folkwang Atoll“-Projekt auf dem Essener Baldeneysee schon 2007 verwirklichen. Doch inzwischen hat er sein Vorhaben auf den Sommer 2010 verschoben. Dann ist Essen Kulturhauptstadt, und solche Künstlerinitiativen haben es dann (hoffentlich) finanziell und organisatorisch leichter, obwohl aus EU-Mitteln nur ein bescheidenes Sümmchen in die 2010-Aktivitäten fließt. Die Idee zur Anlage eines künstlichen Atolls hatte Bauer bereits vor 15 Jahren, als er für einen Marathonlauf trainierte und dabei rund um den See lief. Seine Vision: Auf dem Wasser sollen rund 25 künstliche Inseln angelegt werden. Jeweils eine dieser 100 qm großen Inseln wird dann von einem Künstler mit einer Plastik oder Installation bespielt. Bedingung: Für die Beleuchtung der Skulpturen oder für die Bewegung kinetischer Objekte darf lediglich regenerative Energie, z.B. Solar- oder Windenergie, eingesetzt werden. Bauer verspricht sich in der Realisierungsphase einen lebhaften Dialog zwischen Kunst und Wissenschaft. Die meisten dieser Künstler-Inseln wird man vom Staudamm des Baldeneysees aus betrachten können; einige können auch per Ruderboot erreicht und betreten werden. Das Projekt findet in einer Zeit statt, in der wir über den Klimawandel und die Forderung der Energiewirtschaft nach verlängerten Restlaufzeiten für Atomkraftwerke diskutieren, über die politischen Unwägbarkeiten einer Energieversorgung aus Russland und über den ökologisch fragwürdigen Emissionshandel der Industrie. So hat der Begriff „Energie“ bei diesem Projekt eine metaphorisch-parabelhafte Bedeutung: „‚Folkwang‘ steht für die kreative Energie der Kunst, ,Atoll‘ steht für die physikalische Energie“, erläutert Norbert Bauer. Auszug aus der Künstlerliste: Magdalena Jetelova, Gloria Friedmann, Miriam Giessler/Hubertus Sandmann, Ilya und Emilia Kabakov, Clemens Weiss, Bogomir Ecker, Felix Droese Tobias Rehberger, Franz West, Tony Cragg, Otto Piene, Joep van Lieshout, Andreas Kaiser u.v.a.

Reinigungszeichnungen

In den neunziger Jahren entwickelte der Künstler Klaus Dauven eine neue Zeichenmethode. Mit Staubsauger, Drahtbürste oder Hochdruckreiniger reinigt er partiell verschmutzte Flächen im öffentlichen Raum, z.B. Brückenpfeiler, Panzersperren oder Straßenschilder. Durch den Kontrast zwischen der gesäuberten hellen und der noch schmutzigen dunklen Fläche entsteht auf diese Weise ein Bildmotiv. Am 2. April 2007 begann Dauven an der Staumauer der Olef-Talsperre mit solch einer Zeichenaktion: In acht Arbeitstagen will der Künstler die 289 m lange Mauer mit Tiermotiven verzieren.

Schwebsange: Gartenkunst

2007 ist nicht eine Stadt Kulturhauptstadt Europas, sondern eine Region: Luxembourg, Lothringen, Saarland, Rheinland-Pfalz und die belgische Wallonie. Im Laufe des Jahres finden in diesem Einzugsgebiet von 11 Mill. Einwohnern rund 500 kulturelle Veranstaltungen statt. Mit von der Partie ist auch der BBK Saar, der im luxemburgischen Schwebsange ab dem 6. Mai 2007 im Botanischen Garten ein Projekt realisiert. 36 Teilnehmer beschäftigen sich mit dem Thema „Natur-Mensch-Bewahrung“.

Köln: Artemiade-Festival

„Minnesota in Köln“: So nannte der Buchautor Konrad Zander die Siedlung am Kalscheurer Weg. Man trifft dort auf verwunschene Gärten, eine Pferdekoppel, Häuser und Schuppen im Blockhausstil. Tatsächlich erinnert die Siedlung ein wenig an ein Indianerreservat. Ein Großteil der Gebäude entstand 1945/46 als Behelfsunterkünfte, als man es in der Not der unmittelbaren Nachkriegszeit mit Bauvorschriften nicht so genau nahm wie heute. So bildet die Siedlung im Kalscheurer Weg, in der auch einige Künstler leben, einen baulichen Kontrast zu den Bungalowsiedlungen, die Architekten am Reißbrett entwerfen: Sie ist ein lockeres Dorf als Freiraum für alternative Lebensformen. Für das Wochenende vom 1./2. September 2007 organisieren die Künstler Ellen Muck, Norbert Görtz und Jürgen Triloff ein Festival mit Skulpturen, Installationen und Musik im Freien. Titel: „Artemiade“, das heißt auf kölsch „Art em Jade“ (Art im Garten). Ausstellungsräume und Performance-Bühnen sind alte Bauwagen, Garagen und Gartenpavillons. Hier inszenieren 30 Kölner Installationen und Skulpturen. Außerdem finden sich auf der Musikbühne an den zwei Tagen 50 Musiker zu einer Session zusammen. Auszug aus der Künstlerliste: Tom Koesel, Trash/Treasure, Walter Bruno Brix, Siglinde Kallnbach , Julia Schneider, Eberhard Weible, Midori Mitamura, Max Höfler, Shiro Masuyama, Steff Adams, Stephan Brenn, Ralf Witthaus, Andreas Schumacher und Wolfgang Stöcker. Infos: www.artemiade.de.

Berlin: Protestplakate

Die dänische Künstlergruppe „Surrend“ hing Ende Februar in Berlins Oranienburger Straße Protestplakate auf. Dabei verwendeten die Künstler Originalmotive aus der NS-Propaganda der dreißiger Jahre. Gruppenmitglied Jan Egesborg erklärte, mit der Aktion wende sich „Surrend“ gegen das Erstarken der rechtsextremistischen Partei NPD vor allem in Ostdeutschland. 2006 hatte „Surrend“ mit einer Annonce in einer Teheraner Zeitung für Aufsehen gesorgt. Dabei taten die Künstler so, als unterstützten sie die Atompolitik des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Der Text der Anzeige enthielt auf Englisch das Wort „Schwein“.

Köln: Sommerblut

Die „Christopher Street Day Parade“ (CSD) war ursprünglich eine Demonstration für die rechtliche Gleichstellung der Homosexuellen mit Heterosexuellen gewesen. Mittlerweile, vor allem in der Schwulenhochburg Köln, kommt die Parade allerdings in erster Linie als eine Art Sommerkarneval der Gay Community daher. Deshalb haben schon vor zwei Jahren Künstlerinitiativen in der Domstadt angefangen, das Spektakel mit Ausstellungen und anderen Aktivitäten zu begleiten – damit wollen sie wieder mehr an den ursprünglichen Gedanken des CSD anknüpfen. „Sommerblut“ nennt sich das Kulturfestival. Im vergangenen Jahr wurde es wegen der Fußballweltmeisterschaft vorverlegt, und in diesem Jahr behält man den frühen Termin im Mai 2007 bei, obwohl die CSD-Parade selbst erst im Juli durch die Straßen zieht. U.a. zeigen im Mai 2007 der Ausstellungsraum Jürgen Bahr und der Künstlerverein 68elf eine gemeinsame Themenausstellung mit 30 Künstlern, die das Geschehen in schwul-lesbischen Internet-Chaträumen reflektieren.

Die Weissenhofer

Mit gemeinsamen Ausstellungen, Musikauftritten und Performances bereichert seit 1995 die Gruppe „Die Weissenhofer“ den Kunstbetrieb. Heute gehören der Gruppe Matthias Beckmann, Uwe Schäfer und Jörg Mandernach an. Sie spielen lustvoll mit Künstlerklischees und haben sich dazu die Legende von den drei Brüdern konstruiert, die aus ärmlichen Verhältnissen stammen und im Kunst -und Showbusiness Karriere machen. Motto: „Wir machen Kunst und wir machen Geld“. Nun ist – anlässlich einer Ausstellung in der Städt. Galerie Reutlingen bis 15. April 2007 – die Biografie der Gruppe erschienen, und zwar in Form eines Bilderbuches: Eine herrliche Parodie auf das Kinderbuch-Genre und auf den typischen Verlauf von Künstlerkarrieren („Die Weissenhofer – Der Weisenhof liegt im Wallistal“, Städt. Galerie Reutlingen/Verlag Das Wunderhorn, ISBN 978-3-88423-284-2).

Geist ist Geil

„Geist ist geil“ nennte der Kölner Künstler Cornel Wachter eine Projektreihe. Derzeit sucht er nach Sponsoren, die für 350 Euro die Jugendmannschaften des Fußballclubs SC Fortuna Köln mit Trikots ausstatten. Die Kickerleibchen ziert dann aber nicht ein schnödes Sponsoren-Logo wie im Profi-Fußball, sondern „ein Begriff, ein Satz oder ein Symbol aus der Welt der Kunst und Kultur“. So spielt nun die D1-Jugend in Trikots mit der Aufschrift „Wallraf Richartz Museum & Foundation Corboud“. Cornel Wachter: „Wir möchten die Kinder und Jugendlichen über den Tellerrand hinausschauen lassen, ihnen ein Angebot zum Eintritt in die Welt der Kultur vermitteln. Zu jedem Aufdruck gibt es eine oder mehrer Aktivitäten. So wählten z.B. die Jugendlichen der D1 bei der Vernissage zu ,Tier Schau – wie unsere Bild vom Tier entstand‘ ihr Lieblingsbild in der Ausstellung. Für viele der Kinder war dieses der erste Besuch in einem Museum.“

Transdisziplinäres Projekt

Gertrude Moser-Wagner und Michal Murin organisieren ein „transdisziplinäres Kunstprojekt“ in Bratislava. Es umfasst Workshops, Installationen und Performances. Thema: „Von der Relativität der Entfernung“. Dazu heißt es: Reisen verbindet. Das Reisen ist, nach der Beobachtung der Projektbetreiber, vor allem dem Kommerz, der Arbeitsstätte und dem Tourismus gewidmet, oft sind auch Wissensdurst, Forscherdrang Auslöser dafür. Doch Orte, die geografisch nahe zusammen liegen, sind kulturell oft weit voneinander entfernt. Inwieweit stehen die Ideen, die Kultur- und Kunstleistungen zweier Generationen von heute lebenden Künstlern und Künstlerinnen in Österreich und der Slowakischen Republik im Austausch miteinander – und im Zusammenhang?“ Aus Deutschland ist der Künstler Rolf Hinterecker als Projektteilnehmer eingeladen worden. Vom 2. bis 8. Juni 2007 werden die Projekte vor Ort entwickelt. Am 9. Juni 2007 finden dann in der Altstadt und auf dem Koliba-Hügel, Performances, Interventionen und Installationen statt. An jenem Tag fährt ab 10 Uhr ein Shuttlebus ab Wien mit Zusteigemöglichkeit auf dem Weg nach Bratislava (Info: 0650/9910304). Projektzentrale: 83329 Bratislava, Kulturzentrum A4, Altstadt, Koliba-Lift, Laboratorium Stano Filko, (SK).

Berlin: U 2 Alexanderplatz

Die NGBK Berlin – Neue Gesellschaft für Bildende Kunst – führt auch in diesem Jahr wieder ein Projekt mit Installationen im Bereich des U-Bahnhofs Berlin-Alexanderplatz durch. Bereits 2006 war das Konzept räumlich erweitert worden. In diesem Jahr können die beteiligten Künstler nicht nur die „Hintergleisflächen“ an der Haltestelle der U 2, sondern sogar den gesamten Bahnhof bespielen. Bis zum 30. Juni 2007 präsentiert Marc Brandenburg zwei Bildreihen: Die eine zeigt ein Panorama von 16 Ansichten einer Demonstration zum 1. Mai, die andere bietet in ebenfalls 16 Einzelbildern „ein Potpourri urbanen Lebens“. Obwohl es sich um Zeichnungen handelt, entsteht beim Betrachter der Eindruck von Foto-Negativen.

Köln: Strömungswächter

In Köln firmieren die beiden Künstler Gerd Mies und Michael Nowottny als „labor nowottny mies“. Labor- und Ausstellungsraum ist ein leerstehendes Ladenlokal in einer verrufenen Untergrundpassage, die als Treffpunkt von Fixern, Alkoholikern und Straßenräubern stadtbekannt und berüchtigt ist. Für das Laboranten-Duo bietet die düstere Passage freilich „den Grad an Urbanität, den die Künstler für ihre Arbeiten und Projekte benötigen“ (Pressetext). Die Eröffnungsausstellung in diesem Labor bestritt in Kooperation mit der Galerie Rachel Haferkamp der „Klangtüftler“ Erwin Stache. Inzwischen dokumentieren Mies und Nowottny ihre Aktivitäten in einer eigenen Künstlerzeitung mit dem Titel „Strömungswächter“. Die zweite Ausgabe ist u. a. einer Ausstellung mit „sündigen Bildern“ gewidmet, die das Duo in der vorösterlichen Fastenzeit 2007 in einem gutbürgerlichen Esslokal ausstellte. Bild-Motive waren Schnitzel mit pommes frites, zwischen denen als „Ablassbilder“ Darstellungen von Heiligen hingen.

Zeichnen im Museum

Seit Jahren tourt der Berliner Künstler Matthias Beckmann durch die Museen von Deutschland und dem benachbarten Ausland. Dort zeichnet er die Besucher, Raumsituationen und Einrichtungsgegenstände („Kunstforum“ berichtete). Manchmal führt er seine Aktionen auch an anderen Orten durch: So durfte er als „Praktikant“ von MdB Franz Müntefering sich ungehindert im Reichstagsgebäude bewegen und dort zeichnen. Unlängst war er im Stuttgarter Fraunhofer Institut zu Gast. Die dort entstandenen Zeichnungen von Robotern und Automaten stellt er nun vom 4. April bis zum 2. September 2007 im Berliner Museum für Kommunikation aus.

Schloss Brake: Gedok-Jubiläum

Seit 80 Jahren gibt es den Künstlerinnenverband GEDOK, und seit acht Jahren existiert ein Ortsverband in Ostwestfalen-Lippe. Aus diesem Anlass fand auf der Domäne Schloss Brake im März 2007 eine Jubiläumsausstellung zum Thema „Verschärft- Die Frau in der Gesellschaft heute“ statt. Gezeigt wurden Beiträge mit Malerei, Plastik, Installationen, Videoinstallationen, Schmuck und angewandter Kunst. Die Kölner Künstlerin Angelica Schubert führte zur Vernissage eine Performance auf.

Zürich: Prekäre Bedingungen

„Work to do – Selbstorganisation in prekären Arbeitsbedingungen“ nennt sich eine Projektreihe in der Shedhalle Zürich. Die meisten selbstorganisierten und kreativen Netzwerke des Kulturbetriebs bewegen sich zwischen einer „Selbstausbeutung“ und der Utopie von „selbstbestimmtem Handeln“. In der Projektbeschreibung heißt es dazu: „Die Idee der Selbstorganisation, basiert auf einem systemtheoretischen Gedanken. In einer „positiven“ Variante erfolgt keine Trennung und Hierarchie zwischen organisierenden und gestaltenden oder lenkenden Teilen. Sämtliche Teile sind durch sich permanente ändernde Beziehungen miteinander vernetzt und eine Vorhersehbarkeit des Verhaltens wird erschwert. Selbstorganisation erfordert Handlungsspielräume der Beteiligten und wird gegen bestehende Formen der Fremdbestimmung erkämpft“. Für den Auftakt der thematischen Projektreihe inszenierten im März/April 2007 die Berliner Künstler Folke Köbberling und Martin Kaltwasser ein „Baustoffzentrum“, das eine „Sammlung Zürcher Ressourcen“ umfasste: Dinge, die man in Containern oder auf Baustellen findet. Ganz neu ist die Idee freilich nicht: Schon in den achtziger Jahren haben sich junge Düsseldorfer Bildhauer ausgiebig im Sperrmüll bedient und die daraus entwickelte Ästhetik der Materialarmut zum Markenzeichen erhoben. Das Züricher „Baustoffzentrum“ bestand allerdings nicht nur aus solchen Fundstücken der Wegwerfgesellschaft, sondern auch aus Videoarbeiten und anderen Dokumentationen über selbstorganisierte Projekte. Dieses Material hatte Madeleine Bernstorff zusammengestellt. Im Herbst 2007 soll ein weiteres Ausstellungsprojekt mit anderen Künstlern folgen.

Hellweg-Lichtweg

Matthias Wagner K kuratiert das Projekt „Lichtweg“ entlang des alten Handelswegs „Hellweg“, der östlich des Ruhrgebiets durch Westfalen verläuft. Bereits 2002 haben sich die Städte Lünen, Bergkamen, Unna, Hamm, Lippstadt, Bönen, Fröndenberg und Schwerte zu diesem gemeinsamen Projekt mit Lichtkunst-Installationen zusammengeschlossen. Zum Konzept heißt es: „Der Lichtweg ist kein herkömmlicher Skulpturengarten. Die Werke der Lichtkunst, die ihn bilden, sind nicht austauschbar. Es sind Kunstwerke von Künstlern, die sich auf den jeweiligen Ort eingelassen haben. Auf die dort vorgefundene Architektur und Landschaftsstruktur, auf das soziale Umfeld, auf die historischen und gegenwärtigen Sinnzusammenhänge, das was diese Orte geprägt hat.“ In den vergangenen fünf Jahren sind Arbeiten von Mischa Kuball, Kirsten Kaiser, Andreas M. Kaufmann, Gunda Förster, Mario Merz, Claudia Wissmann, Stefan Sous und anderen Künstlern realisiert worden. Soeben ist eine kleine Dokumentation in Form eines Folders erschienen. Der Folder kann bestellt werden bei: Projektbüro HELLWEG – ein LICHTWEG beim Zentrum für Internationale Lichtkunst e.V. Unna / Lindenplatz 1, 59423 Unna, Tel.: +49(0)2303 /103720, E- mail: sigrun.krauss@stadt-unna.de.

Liesborn: Cola-Kreuze

Am 1. April 2007 eröffnete der Künstler Ruppe Kosselleck seine Ausstellung in der Kreuz-Sammlung des Museum Abteil Kloster Liesborn. Dem sakralen Kruzifix hält er eine profane Variante entgegen. Kosselleck hat nämlich für jedes Land der Welt, in welchem der US-Hersteller seine braune Brause vertreibt, ein „Coca Cola-Kreuz“ gestaltet, „bestehend aus landesüblichem Dosenblech, Nägel und Holz“. Die Limonaden-Kreuze sind bis zum 6. Mai 2007 zu sehen (Abteiring 8, Wadersloh-Liesborn).

Tirol -Tibet

Kann man die Geschichte Tirols mit jener Tibets vergleichen und den heutigen Autonomiestatus Südtirols innerhalb Italiens den Chinesen als Vorbild für eine neue Tibet-Politik andienen? Der Bergsteiger Reinhold Messner unternimmt jedenfalls eine solche Analogiebildung mit seiner Ausstellung „Südtirol – Autonomie / Tibet – Tragödie 1957-2007“, die bis zum 25. November 2007 auf Schloss Sigmundskron gezeigt wird. Der Ort hat historische Bedeutung: Hier fand mit 30.000 Teilnehmern 1957 eine Kundgebung der Südtiroler Autonomiebewegung statt, die eine Loslösung aus der Region Bolzano-Trentino/Bozen-Trient (nicht von Italien!) propagierte. Messners Ausstellung umfasst Bilder von Albin Egger-Lienz, Erzherzog Rainer Ferdinand von Österreich, E. Harrison Compton, Gotthard Bonell und Thankas sowie Dekorationsobjekte, Schmuck und sakrale Kunst von tibetanischen Künstlern aus dem Zeitraum 1700-1950.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das bislang österreichische Südtirol Italien zugeschlagen, das zu den Siegermächten gehörte und dafür mit Gebietsgewinnen belohnt wurde. Die faschistische Regierung unter Mussolini gewährte dem Geografen Ettore Tolomei ab 1922 jegliche Unterstützung für seine Kampagne einer sprachlichen und kulturellen Italienisierung der Region. Tolomeis Assimilisierungs-Projekt geriet indes zum Flop, so dass Hitler und Mussolini sich 1939 allen Ernstes darauf verständigten, die 250.000 deutschstämmigen Südtiroler in Polen anzusiedeln und an ihrer Stelle Italienern aus dem Süden den Zuzug nach Tirol zu ermöglichen. Immerhin verließen aufgrund der massiven Propaganda rund 70.000 Menschen das Tiroler Land, bis Mussolinis Sturz 1943 die Umsiedlungspolitik stoppte. Heute hat die Region weitgehende Autonomierechte innerhalb des italienischen Zentralstaates.

Tibet wurde 1949/51 von Maos Truppen besetzt. Der Dalai Lama lebt mit seiner Regierung seit 1959 im tibetanischen Exil. Eine 1965 von Peking eingeführte Autonomie existiert in Tibet aber nur rein formal, so dass das tibetanische Kulturerbe als gefährdet gilt. Reinhold Messner zieht mit seiner Ausstellung freilich nicht nur politische Parallelen sondern auch soziologische: Er regt „zum Nachdenken“ über die Autonomie von Bergregionen an, die sich aufgrund einer geografischen Abgeschlossenheit kulturell und soziologisch relativ homogen entwickeln als Areale von Bergbauern und Jägern, und dabei thematisiert er auch den grundsätzlichen Unterschied zwischen einem Bergvolk und einer Stadtkultur mit ihren urbanen Austauschprozessen durch regen Handel etc.

Bonn: Catwalk

Was ist Schuld? Existiert sie als etwas Grundsätzliches, das menschliches Handeln als Resultat hervorbringt, immer und überall, oder ist sie ein kulturelles Konstrukt, das von Glaubenssystem zu Glaubenssystem und innerhalb verschiedener Ethiksysteme variiert? Heute fühlen wir uns vielfach „schuldlos glücklich“, weil wir die alten belastenden Denkweisen einfach abgelegt haben. Eine Gesellschaft, die einfach nur noch „drauflos lebt“, kennt keine Schuld. Um diesen sehr komplexen Begriff der „Schuld“ ging es bei einer Veranstaltungsreihe der Bonner Kirche St. Helena im März 2007. Der Künstler Babak Saed nahm mit einer „Aktion und Installation“ unter dem Titel „Catwalk“ daran teil. Er inszenierte die leere Kirche als „Kreuzung“ zwischen „der gegenwärtigen Kultur und dem christlichen Kult. In seiner Leere wartet der Raum Sankt Helena darauf, dass Menschen anfangen, den Themen ihres Lebens Gestalt zu geben.“

Schmallenberg: Beton-Skulpturen

1988 begann die Wittener Keramikbildhauerin Christel Lechner, Figuren von „Alltagsmenschen“ als eine „Liebeserklärung an das pralle Leben“ in Beton zu gießen. In den kommenden Wochen stellt sie 51 dieser Skulpturen im öffentlichen Raum von Schmallenberg/Sauerland aus. Lechner begreift ihre Arbeiten als Kontrapunkt zum heutigen Schönheits-, Jugendlichkeits- und Schlankheitswahn“. Die Kunstaktion „Alltagsmenschen“ ist bis 1. Juli 2007 in der Altstadt von Schmallenberg zu sehen. Infos: www.schmallenberger-sauerland.de.

München: Seven Screens

„Seven Screens“ – das sind sieben Stelen, die jeweils sechs Meter hoch sind. Sie stehen auf dem Gelände eines Münchener Glühbirnenherstellers und dürfen seit Herbst 2006 von Künstlern mit Konzepten bespielt werden, bei denen LED-Lichttechnologie zum Einsatz kommt. Vom 24. April bis zum 24. Oktober 2007 präsentieren die beiden Künstlerinnen Sabine Haubitz und Stefanie Zoche hier ein filmisches Projekt, das die wechselhaften Kräfte des Mediums „Wasser“ darstellt. Ihre Videoinstallation heißt „2027“ und zeigt, wie in jenem Jahr 2027 die Häuserzeilen einer Großstadt überflutet werden und sich ihre Fassaden im Wasser spiegeln. Die Arbeit verblüfft durch ungewöhnliche Aufnahmen und Simulationen auf dem und unter Wasser: Die Aufnahmeperspektiven lassen den Standpunkt des Betrachters immer wieder ins Wanken geraten.

Wuppertal: Ungewohnte Sichtweisen

Tief schneidet sich das Tal der Wupper in die Höhenzüge des Bergischen Landes ein. Entlang des Flusses breiteten sich im frühen Industriezeitalter die Städte Elberfeld und Barmen aus, deren Fabriken und Wohnquartiere Friedrich Engels genügend An­schauung boten, um zusammen mit Karl Marx eine revolutionäre Theorie zur Befreiung des verelenden Proletariats zu formulieren. Heute ballen sich in der Talachse eher die Gemeindezentren protestantischer Freikirchen, und obwohl manch ein Wuppertaler Künstler mit der provinziell anmutenden Urbanität der alten Industriestadt hadert und daher verlauten lässt, er trage sich mit dem Gedanken, lieber nach Köln oder Düsseldorf zu ziehen, weist die Stadt mit der Schwebebahn eine höchst lebendige Kunstszene auf. Das liegt daran, dass die Ateliermieten hier erheblich billiger sind als in Köln und in Düsseldorf und daher diejenigen, die immer wieder über Wuppertal meckern, dann doch lieber in der Stadt bleiben. Für den Sommer 2007 haben die beiden Kuratoren Ulrike Groos und Peter Gorschlüter fünf Künstler eingeladen, entlang der Talachse „ungewohnte, überraschende Sichtweisen und neue Blickschneisen zu entdecken“. Bis zum 23. September 2007 greifen Tony Cragg, Robert Elfgen, Harald Klingelhöller, Cornelia Parker und Ina Weber mit ihren Interventionen und Skulpturen in das Stadtbild ein. Das sind jedoch nicht nur statische Inszenierungen, sondern durch die Kunst werden diese Plätze auch zu „Handlungs- und Versammlungsorten“ umgedeutet, wie es im Pressetext heißt. Cragg platziert einen „Silberfisch“ zwischen Pina Bauschs Tanztheater und dem Friedrich-Engels-Haus und Ina Weber ein „Wartehäuschen“ an der Bushaltestelle vor dem Schauspielhaus. Cornelia Parker färbt Waggons der Schwebebahn als „Stimmungszüge“ in verschiedenen Farben monochrom ein. Harald Klingelhöller installiert auf einem Dach die Buchstabenskulptur „Why Pop“, und im Stadtteil Oberbarmen dürfen Jugendliche Robert Elfgens Skulptur „My Home Is My Castle“ als Bühne „für Bewegung, Lärm und Action“ nutzen.

Gdansk: Port Performances

Angelika Fojtuch and BBB Johannes Deimling führen in polnischen und baltischen Hafenstädten „Port Performances“ durch („Kunstforum“ berichtete). Dabei reflektieren die Teilnehmer der Workshops und Festivals auch die historische, ökonomische und städtebauliche Situation der Orte. Der nächste Workshop findet im Mai 2007 in Gdansk und Gdynia statt – zwei Städten, in denen man auf verschiedene urbane Atmosphären trifft: Gdansk (Danzig) ist eine alte Hafenstadt mit rekonstruiertem historischen Stadtkern, Gdynia eine moderne, dynamische Stadt: „Ein interessantes Feld für unsere Performance-Recherchen zwischen Kontrast und Balance“, vermerkt der Konzept-Text. Deimling entwickelte für seine Performances das Prinzip der „agierten Bilder“, in denen er als Akteur auf die spezifische Örtlichkeit vorgefundener Situationen im öffentlichen Stadtraum eingeht. Das sind zumeist völlig banale Situationen, etwa ein Loch in der Mauer, oder Kräne und Schuppen einer Hafenanlage. Am 25. Mai 2007 präsentieren die Workshop-Teilnehmer ihre Performances in Gdansk. Veranstaltungsort ist CUMA #3 in Laznia, Center for Contemporary Art.

München: Uomo-Festival

In den Münchener „Kunstarkaden“ fand vom 29. März bis zum 1. April 2007 bereits zum zweiten Mal das UAMO-Festival statt. Zum Thema „It’s about to blow up!“ (blow up= explodieren, aufblasen, vergrößern) wurden Arbeiten verschiedener Künstler aus den unterschiedlichsten Sparten gezeigt, entweder in den Ausstellungsräumen oder innerhalb eines Online Screenings. Die eingereichten Arbeiten setzen sich mit der gängigen Sehnsucht nach „Mehr“, „Größer“, „Schneller, „Weiter“ auseinander, die große Teile der Gesellschaft beherrscht, Leistungssportler ebenso wie die Globalisierungsritter an der Börse.

Hannover: Mobiles Atelier

Die vier Künstlerinnen Andrea von Lüdinghausen, Ute Heuer, Claudias Wissmann und Kirsten Mosel touren ein Jahr lang in Hannover mit einem „mobilen Atelier“ durch sechzehn Kindertagesstätten. Dort realisieren sie „Kunstprojekte für Kindergärten“ zusammen mit den Kindern und den Erzieherinnen: Es wird gebastelt und geklebt, mit Licht und Dunkelheit experimentiert, und für die Entwicklung ihres Raumempfindens ist es sicherlich hilfreich, wenn Fünfjährige Rauminstallationen mitgestalten. Das „Mobile Atelier“ soll vor allem die Erzieherinnen zu „neuen kreativen Handlungsmodellen“ in ihrem Betreuungsalltag anregen. Die Aktion läuft noch bis Juni 2007.

Documenta-Magazin

Documenta-Leiter Roger M. Buergel will das Kasseler Spektakel mit drei Zeitungsmagazinen begleiten, in denen die Leitmotive der diesjährigen Kunstschau erörtert werden. Das erste Heft erschien im März 2007 und beschäftigt sich unter dem Stichwort „Modernity?“ mit der Frage: „Ist die Moderne unsere Antike?“ An dem Heft haben 95 Redaktionen mitgearbeitet, die 300 Essays, Reportagen, Dokumentationen und Künstlerbeiträge geliefert haben. Die redaktionelle Gesamtleitung übernahm Georg Schöllhammers, Herausgeber der österreichischen Kunstzeitschrift „Springerin“. Die Künstlerporträts konzentrieren sich zu großem Teil auf die Generation, die um 1960/1970 tonangebend war, als die westlichen Gesellschaften und ihr Kulturbetrieb eine Umbruchsituation erlebten. Arte povera, Fluxus, Nouveau Réalisme, Zero und Pop Art waren die zeitlich letzten Stilrichtungen in der fortschritts- und zukunftsorientierten Epoche der Moderne gewesen, bevor in den siebziger Jahren durch den Club of Rome und durch die Öko-Bewegung eine Kritik an der modernistischen Wachstumsideologie einsetzte. Deswegen behandelt der Band nicht nur künstlerische Sichtweisen, sondern vor allem auch politische und ökonomische. „Modernity“ ist für 12 Euro im Buchhandel sowie über www.documenta.de und www.taschen.com zu beziehen. Die beiden anderen Hefte widmen sich den Leitmotiven „Life!“ und „Education“.

Ars Electronica: Quell.code

Das Ars Electronica Futurelab in Linz/ Österreich entwickelte ein interaktives Leitsystem für den neuen Hauptsitz eines deutschen Software-Herstellers in Walldorf/Baden-Württemberg. Den Weg zum Besucherzentrum weist ein Wasserlauf: „Modernste Technik und eine der ältesten kulturgeschichtlichen Navigationshilfen verschmelzen hier zu Quell.Code, einem gleichermaßen repräsentativen wie funktionellen Wegweiser“. Das Wasser fließt hier nämlich bergauf und überwindet dabei eine Höhendifferenz von einem Meter. Es läuft auf eine 27 m hohe Stahlstele zu, die „zugleich Landmark und interaktives Architekturelement ist. Physischer Kontakt lässt ihr leuchtendes Innenleben pulsieren – im Rhythmus der jeweils gemessenen Herzfrequenz. Von hier strebt der Wasserlauf dem Haupteingang entgegen.“ (Pressetext). An der Entwicklung und Umsetzung des Konzepts arbeiteten 30 Mitarbeiter des Ars Electronica Future Labs zwei Jahre. Damit der „Quell.Code“ funktioniert, mussten 50 Rechner und 116 Displays installiert werden.

Köln: Hafenfestival

1898 nahm die Stadt Köln einen „Preußischen See- und Zollhafen“ in Betrieb, der vom Rhein durch eine 1,9 km lange Halbinsel abgetrennt ist. Seit man in den achtziger Jahren des 20. Jh. den Hafenbetrieb dort einstellte, haben sich im nördlichen Teil ein Schokoladenmuseum und das Deutsche Sport- und Olympiamuseum dort angesiedelt. In den südlichen Speicherhallen („Kap am Südkai“) finden zur Möbelmesse regelmäßig Designausstellungen statt, und rund zwei Dutzend Künstler haben Ateliers im „Künstlerhaus Rhenania“. Auch einige Galeristen, so Heinz Holtmann und ebenso seine Kollegen Binz und Krämer, haben in den vergangenen Monaten im Rheinauhafen neue Räume bezogen. Bis 2010 soll das restliche Areal für eine neue Nutzung mit Wohnen, Gewerbe, Gastronomie und Kultur hergerichtet sein. Städtebauliches Prunkstück sind die Kranhäuser, die der Hamburger Architekt Teherani baut. Bereits am 10.-12. August 2007 wird das neue Viertel eingeweiht, und zwar mit einem „Eventure das Hafenfestival“. Zu den Mitorganisatoren gehören die Macher der Kunstmesse Art.fair. Für ein Sommerwochenende verwandelt sich der Hafen einen „Future Park“ mit Digital Art, elektronischer Musik etc. Infos: www.eventure.de, www.rheinauhafen-koeln.de.

Neumünster: Gerisch-Park

In Neumünster nimmt die Herbert-Gerisch-Stiftung am 8. September 2007 einen Skulpturenpark in Betrieb. Künstlerischer Leiter ist Dr. Martin Henatsch. Das Areal liegt neben einem denkmalgeschützten Landhausgarten aus den 1920er Jahren, der seinerzeit von Harry Maasz gestaltet wurde. Die Skulpturen, die das Ehepaar Gerisch gesammelt hat, waren bislang nur in einem privaten Park aufgestellt und sollen nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Dabei handelt es sich um Arbeiten von Magdalena Abakanowicz, Mimmo Paladino, Markus Lüpertz, Horst Antes, Ian Hamilton Finlay u.a. Die Eröffnungsausstellung in dem neuen Park ist Henry Moore gewidmet.

Köln: European Kunsthalle

Als man in Köln 2003 die alte Kunsthalle abriss, gründete sich der Verein „Das Loch“, der eine virtuelle „European Kunst­halle“ betreibt. Vortrags- und Diskussionsprojekte sowie Ausstellungen finden ambulant an verschiedenen Orten statt. Im April 2007 präsentieren die Kunsthallen-Macher gleich zwei Projekte: Zum einen zeigen rund 22 Kölner Galerien „The Köln Show 2“ in ihren Räumen. Neben ihrem „normalen Programm“ präsentieren sie jeweils eine junge und ungewöhnliche Einzelposition. So stellt z.B. Vera Gliem in ihrer Galerie den Londoner Künstler David Blandy aus, der mit den Medien Film und Comics arbeitet. Der Koreaner Kwang-Ju (bei Galerie Hammelehle und Ahrens) setzt ebenfalls filmisches Material ein. In der Galerie Schmidt Maczollek trifft man auf Arbeiten der New Yorkerin Maya Hayuk, die ihre Zeichnungen als Fotokopien oder auf T-Shirts verbreitet und große Waldmalereiprojekte realisiert.
Ein zweites Projekt unter dem Titel „Modelle für Morgen“ findet außerhalb des Galerienbetriebs „entlang eines ringförmigen Parcours“ in öffentlichen Räumen statt: Ausstellungsorte sind u.a. sind die U-Bahn Station Dom/Hbf, das Kölner Hilton-Hotel, ein Telecafé, die Industrie- und Handelskammer, die „Vic“-Coctailbar, die Buchhandlung Walther Koenig, die Neumarkt-Galerie oder die Zentralbibliothek. Mit ihren Modellen für eine fiktive Ausstellungshalle thematisieren die Künstler das Spannungsfeld zwischen einer herkömmlichen Kunsthalle als offizieller Kulturinstitution, wo es museal zugeht, und den Orten einer lebendigen Alltagskultur. Künstlerliste: Vito Acconci, Michael Beutler, Bik van der Pol, Andreas Fogarasi, Luca Frei, Liam Gillick, Tue Greenfort, Karl Holmqvist, International Festival, Erik van Lieshout, An Te Liu, Alex Morrison, Olaf Nicolai, Tobias Rehberger, Pia Roenicke, Silke Schatz, Sean Snyder, Superflex, Lawrence Weiner, Axel John Wieder & Jesko Fezer, Haegue Yang.

Köln: Polylog

Maria Schmidt-Dzionsko und der Verein Akt 1 e.V./“bureau d’esprit“ sind Initiatoren einer „Mittelmeerbiennale“ mit Künstlern aus Kölns Partnerstädten. Alle zwei Jahre finden an Kölner Kunstorten unter dem Titel „polylog“ Ausstellungen, Performances und Konzerte mit Künstlern aus der „freien Szene“ der beteiligten Städte statt. In diesem Jahr kommen die Teilnehmer aus Barcelona, Bethlehem, Istanbul, Köln, Tel Aviv, Thessaloniki, Tunis und Turin. Der kulturpolitische Anspruch: Das Projekt soll eine Vernetzung zwischen den Künstlergruppen aus den Partnerstädten fördern.

Im Sommer 2007 steht die Veranstaltung unter dem Leitmotiv „Die Sehnsucht nach der Schönheit“. Die Initiatoren wollen eben nicht – wie man das ja sonst oft in langweiligen Gruppenausstellungen erlebt – Bilder einfach beziehungslos nebeneinander hängen. Vielmehr soll sich dieser Künstleraustausch auf die Frage konzentrieren, ob es in den verschiedenen Kulturtraditionen rund ums Mittelmeer auch unterschiedliche Vorstellungen zur Schönheit des Körpers und zur Schönheit von Raum und Architektur gibt, und wie man dies in der Kunst des 21. Jh. darstellen kann.

Rund zwei Dutzend Künstler präsentieren im August/September 2007 zu dieser Frage ihre Arbeiten im Rathaus. An weiteren Orten finden projektbezogene Ausstellungen statt. So ist eine Werkschau in der Kunsthalle Lindenthal dem zehnjährigen Jubiläum der Partnerstadt Köln-Istanbul gewidmet. Im Italienischen Kulturinstitut werden Bilder zum Thema „Der schöne Leib“ zu sehen sein. Bei „Sidispot“ in der Marzellenstr., wo spanische Designfirmen einen gemeinsamen Showroom betreiben, stehen die „polylog“-Exponate unter den Leitmotiven „Spanien“ und „Schönes Wohnen“. Im Stadtteil Sülz befindet sich der Kunstraum „Factory“, wo der Kölner Bildhauer Peter Mönnig einen einwöchigen Workshop mit jungen Künstlern über “ Fast Beauty – Vergänglichkeit und Schnelligkeit in der Kunst“ mit anschließender Ausstellung leitet.

Rottweil: Koch-Perfprmance

Seit zwanzig Jahren beschäftigt sich der Künstler Arpad Dobriban in seiner künstlerischen Arbeit mit dem Kochen. Er begleitet die einzelnen Speisen, die er in seiner mobilen Küche vor Ort frisch zubereitet, jeweils mit einem Vortrag. „Werkzeug des Teufels“, „Männlich-weiblich“ oder „Wenn süß und salzig tauschen“ lauten z.B. die Themen dieser Vorträge und der Menüfolgen. Seine aktuelle Koch-Performance in der Kunststiftung Erich Hauser heißt „Die ewige Wanderung nach Westen“ und hat die „Migration“ von kulinarisch interessanten Pflanzen und Tieren zum Thema. Termin: Samstag 5. Mai 2007, 18 Uhr, Werkstatthalle der Kunststiftung Erich Hauser, Saline 36, 78628 Rottweil, Tel. 0741 280018-0, www.erichhauser.de, Unkostenbeitrag: 44.- Euro Anmeldung per E-Mail: kunst­stiftung.erichhauser@t-online.de oder telefonisch (Mittwoch und Donnerstag) erforderlich. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

Landarbeit

Christine Biehler und Jürgen Fritz machen ein Dorf bei Hildesheim zum Produktionsraum „für eine ästhetische Praxis, die sich aktiv mit dem vorgefundenen sozialen, landschaftlichen und kulturellen Raum auseinander setzt“. Die eingeladenen Künstler beschäftigen sich mit der Frage: „Wie kann eine avancierte künstlerische Praxis im ländlichen Raum aussehen?“ Um die praktische Umsetzung kümmert sich ein Projektteam des Studiengangs Kulturwissenschaften an der Universität Hildesheim. Ab Mai 2007 sind die Künstler Maria Blondeel, Helmut Dick, Christian Hasucha, Gerhard Mayer und Thomas Stricker, Boris Nieslony und Die Fabrikanten in den Gemeinden Heinde und Listringen bei Hildesheim zu Gast, leben und arbeiten dort mehrere Wochen lang. Das Projekt findet seinen Abschluss in einer Festwoche vom 1. bis 8. Juli 2007. Zeitgleich begehen die beiden Gemeinden mit eigenen Veranstaltungen ihre 850-Jahr-Feier – man darf gespannt sein, wie die künstlerische „Offene Arbeitssituation“ und Schützenverein und Freiwilliger Feuerwehr aufeinander treffen. Jedenfalls sollen die künstlerischen Projekte „in engem Kontakt mit den Bewohnern“ als „Interaktionen“ realisiert werden.

Klangtoiletten

Vor einem Jahr startete die Künstlerin Tanja Hemm ein Projekt, bei dem in Nürnberg und Wien zwanzig öffentliche Toiletten akustisch miteinander vernetzt wurden. Bei dieser Aktionen können sich die Toilettennutzer neun verschiedene Kompositionen anhören. Aus den jeweils zwölfminütigen Aufnahmen wird ein Ausschnitt mit einer Dauer zwischen 45 und 90 Sekunden abgespielt, „lang genug um die Beschallung durch ein einmaliges Hörerlebnis oder einen kurzen Toilettenbesuch wahrzunehmen“, wie die Künstlerin berechnet hat. Inzwischen ist Hemm mit ihrem Projekt rund um die Welt getourt: Bei der Kölner art.fair durfte man sich auf dem WC dem Musikgenuss hingeben, ebenso bei der Messe „Scope Miami“. Insgesamt fand die Aktion bis jetzt in 13 verschiedenen Städten statt. Jüngste Station war im April 2007 die Galerie Steinle in München. Das Salzburger Museum der Moderne Mänchsberg hat „WC 2006/2007“ für seine Sammlung angekauft.

Schloss Balmoral

Das Künstlerhaus Schloss Balmoral hat soeben sein Jahrbuch 2005/06 herausgegeben. Leitthema: „Künstlers (Glücks­)spiel“. Beiträge: Dorothea Kolland, Hertzsch/ Page, Till Exit, Bernd Krauß u.a. Außerdem stellt das Jahrbuch Schenkungen und Arbeiten der Stipendiaten vor. Bezugsadresse: Revolver, Archiv für aktuelle Kunst, Bethmannstrasse 13, 60311 Frankfurt/Main, www.revolver-books.de.

München: Speaking Germany

„Young Jewish woman visiting Germany would like to have a conversation about nothing in particular with anyone reading this“. Auf diese Annonce in mehreren deutschen Tageszeitungen erhielt die in London lebende israelische Künstlerin Sharone Lifschitz 2004/2005 rund 180 Zuschriften. In e-mails und in persönlichen Begegnungen tauschte sie sich mit Menschen von 18 bis 65 Jahren über die Beziehungen der Deutschen zum Judentum aus. Die Gesprächspartner thematisierten ihre individuelle Haltung zur deutschen Geschichte und ihre Einstellung zur jüdischen Kultur. Fragmente aus diesen Dialogen platziert die Künstlerin nun bis Mai 2007 im öffentlichen Raum Münchens. Auf Straßenbahnen und Werbeflächen sind Texte wie „Und mögen Sie die Deutschen?“ oder „Willst Du wissen, was ich denke oder fühle?“ zu lesen. Es sind Formulierungen, mit denen sich Lifschitz und ihre Kontaktpersonen einander vorstellten, die dem Publikum nun sozusagen als „Vorspeise“ serviert werden. Bei der „Hauptspeise“ geht es dann um die eigentlichen Gesprächsinhalte der Aktion „Speaking Germany“. Diese Texte des zweiten Teils sind bis Frühjahr 2008 als Installation mit 45 Einzelelementen an der Fassade des soeben eröffneten Jüdischen Museums zu sehen. Lifschitz präsentiert die einzelnen Zitate bewusst ohne jegliche Erklärung oder Wertung im öffentlichen Raum. Sie bleiben gewollt bruchstückhaft und fügen sich nicht zu einer eindeutigen Geschichte zusammen. Im Internet ist ein Gästebuch eingerichtet: www.speaking-germany.de.

„Muntadas-Protokolle“

2006 zeigte der Württembergische Kunstverein die Ausstellung „Muntadas – Protokolle“. Soeben ist die Publikation zur Ausstellung als Künstlerbuch erschienen. „Muntadas – Protokolle“, Hrsg.: Hans D. Christ, Iris Dressler, mit Texten von Hans D. Christ, Iris Dressler, Hans Dieter Huber und Karl-Josef Pazzini, 336 Seiten, deutsch/englisch, erschienen im Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln ISBN 978-3-86560-215-2, 32 Euro (im Kunstverein), http://www.wkv-stuttgart.de/publikationen/2007. Adresse: Württembergischer Kunstverein Stuttgart, Schlossplatz 2, 70173 Stuttgart, Tel. 0711 – 22 33 70.

Zürich: Taxi-Aktion

Wie nehmen Taxifahrer ihren Arbeitsplatz, d.h. den öffentlichen Stadtraum wahr? Dafür interessierten sich die beiden Künstlerinnen Anne Lorenz und Rebekka Reich. An einem Samstag im März 2007 blockierten sie für 12 Stunden in Zürich einen Taxi-Halteplatz mit einem Billardtisch. Die Dauer dieser Aktion entspricht dem Arbeitstag eines Züricher Taxifahrers. Gegen Abgabe ihres Autoschlüssels händigten die Künstlerinnen den Chauffeuren Kugeln und Queus zum Spielen aus. Während die Fahrer sich dann mit Billard vergnügten, nutzten Lorenz und Reich ihre Limousinen als „Transportmittel für Gedanken. Ein Passant kann gegen Abgabe seiner Identitätskarte im Auto Platz nehmen und sich in die Welt der Taxifahrer begeben.“