Titel: New York Aktuell · S. 142
Titel: New York Aktuell , 1983

Das Ende der amerikanischen Ära

oder wie lausig sind die Europäer?
Von Noemi Smolik

Etwas im Urteil verneinen heißt im Grunde: das ist etwas, was ich am liebsten verdrängen möchte. Die Verurteilung ist der intellektuelle Ersatz der Verdrängung, ihr Nein ein Merkzeichen derselben, ein Ursprungszertifikat etwa wie das „made in Germany“.
S. Freud, Die Verneinung, 1925

Die ungewohnte Vielschichtigkeit und Hintergründigkeit, der Mut zu Phantasie, Traum und Mythologie, die Freude an Farben und Formen der jungen Italiener waren von den New Yorkern längst noch nicht verdaut, da standen sie schon wieder vor einer neuen Herausforderung. Die deutsche Malerei, vertreten durch die Maler Penck, Lüpertz, Baselitz, Fetting und Salomé erreichte an der Jahreswende 1981/82 die Galerien dieser Metropole der modernen Kunst. Die New Yorker Kunstwelt, ihre rasche Bewältigungsgabe, mit der sie die sich rasend ändernde Kunstszene dieser vitalen Stadt meistert und die den eher behäbigen Europäer geradezu fasziniert, schien diesmal überfordert zu sein. Die Tatsache, die die Gegenwart der italienischen wie der deutschen Kunst den New Yorkern schlagartig vor Augen führte, daß sich in Europa einige Kunstzentren bilden, deren Vitalität und Eigenartigkeit den seit Jahren bestehenden avantgardistischen Führungsanspruch dieser Stadt bedrohen könnten, versuchte die Kunstkritik zuerst durch ein schnelles, eben aus der Position des Überlegenen herablassendes Abhandeln zu bannen.

Die damals noch existierende kulturelle Wochenzeitung ,,The Soho News“ wies in der Dezembernummer von 1981 das als Angriff verstandene Auftreten der deutschen Künstler in den angesehenen Galerien schlagfertig zurück. In einem der Form einer Kriegsreportage ähnlichen Bericht mit dem entsprechenden Titel „Blitzkrieg bopped“, setzt sich der Kritiker…

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