Titel: New York Aktuell · von Klaus Honnef · S. 24
Titel: New York Aktuell , 1983

Die wiedergewonnene Sprachfähigkeit

Stichworte zur amerikanischen Kunst der Postmoderne
von Klaus Honnef

Ein Schlagwort machte die Runde und bestimmt die Kunstdiskussion in wachsendem Maße. Das Schlagwort vom Post-Modernismus. Zum Begriff hat es sich noch nicht gehärtet. Obwohl es unbestritten diffus ist, beschreibt es gleichwohl die vorherrschende Stimmungslage der kulturellen Gegenwart. Das Schlagwort von der Post-Moderne schwappte von den USA nach Europa über. Jenseits des Atlantiks hat es sich bereits etabliert. Hüben tut man sich schwer damit. Von vornherein stiftete der Terminus allzu viele Mißverständnisse. Entsprechend problematisch ist es, ihn zu verwenden. Eine Ursache der Mißverständnisse liegt in dem ideologischen Gefalle zwischen Europa und den USA begründet; namentlich in der deutschen Bundesrepublik befrachtete man ihn über Gebühr, belastete ihn mit der Hypothek eines neuen Epochebegriffs. Die Amerikaner verfuhren da zunächst einmal pragmatischer, ja, man könnte sagen, operationeller als die Deutschen. Das ist auf die emotional unterschiedlich gefärbte Einstellung gegenüber der Moderne und ihren Prämissen zurückzuführen. Hüben hält man den Nutzwert des Elements der Aufklärung unvermindert hoch. Der Narzismus hat die dunkelsten Seiten des Menschen offenbart, und gerade das Land, wo dies seine fürchterlichsten Konsequenzen zeitigte, hat wohl vorderhand keine Alternative zu den Prinzipien der Aufklärung. Daneben ist, wenn vom Post-Modernismus im Deutschen die Rede geht, auch stets ein Gemenge von Kulturpessimismus und Weltuntergangsstimmung im Spiel. Mag sein, daß das Präfix ,,post“ Zukunftsängste beschwört. Man blickt zurück, ohne zu wissen, was die Zeit bringen wird, wie auf ein sicheres Land, das allmählich in die Ferne rückt, während man selbst auf den unsicheren Planken einer schwankenden…

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