Essay · von Peter Sager · S. 155
Essay , 1973

PETER SAGER

Die Kunstakademie -Stiefkind der Hochschulpolitik

Heiter, in fast klösterlicher Abgeschiedenheit, haben sich unsere Werkräume in dem lichten Wald eingenistet‘. Gemeint ist nicht Platons Philosophen-Garten nahe dem Hain des Heros Akademos, der unseren Akademien den Namen gab, sondern eine zeitgenössische Akademie der bildenden Künste, Deutschlands älteste, 1662 in Nürnberg gegründet. Traditionsstolz und zukunftssicher verheißt der Akademie-Prospekt weiter: ‚In völliger Freiheit, die freilich nicht mit Anarchie verwechselt werden darf, kann hier jeder in eigener Verantwortung sein Talent entfalten. Wir haben ein kostbares Gut zu verwahren und weiterzugeben. Zwar können wir keinen zum Künstler machen, der nicht den schöpferischen Funken in sich trägt, aber für die wenigen, die berufen sind, schaffen wir über eine kurze, aber wichtige Wegstrecke entscheidende Voraussetzungen für ihr künstlerisches Wachstum‘.

‚Die wenigen, die berufen sind‘: diese biblische Wendung heißt in heutiger Hochschulsprache schlicht ‚Numerus Clausus‘. Der nicht zugelassene ’schöpferische Funken‘ hat unlängst in Düsseldorf zum ‚Fall Beuys‘ geführt und die Diskussion um Struktur und Aufgabe der Kunstakademie erneut entfacht. Joseph Beuys, Filz-Künstler und Akademieprofessor, wurde fristlos gekündigt und ist es noch, trotz bundesweiter Proteste. Der Fall Beuys, ein ‚Fall Kunstakademie‘? Symptom einer bundesweiten Misere? Dazu meint Prof. Johannes Schreiter, Direktor der Frankfurter Städelschule, die als einzige Kunstakademie in der Bundesrepublik dem Wiener Orgien- und Mysterien-Künstler Nitsch einen Lehrauftrag gegeben hat: ‚Zu …

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