Ausstellungen: Sofia · von Axel Hecht · S. 164
Ausstellungen: Sofia , 1973

AXEL HECHT

Documenta des Ostens

Offizielle Ausstellungen im sozialistischen Lager sagen meist mehr über die jeweilige Bewußtseinslage der Kulturfunktionäre, als über die Situation der Kunst aus. Diese Faustregel, im Westen durchaus nicht nur von ‚kalten Kriegern‘ vertreten, gilt es zumindest partiell zu korrigieren. Spätestens seit der großen Bilderschau (zu Beginn dieses Jahres), rechnet man auch hierzulande wieder mit Überraschungen. Die erste ‚Internationale Ausstellung der realistischen engagierten Malerei‘ in der bulgarischen Hauptstadt Sofia bremst zwar voreilige Euphorie, sie ist aber dennoch das Interessanteste, über das es derzeit zu berichten gibt.

Noch nie wurde in der Vergangenheit sozialistische Kunst so umfangreich im offiziellen Überblick präsentiert: 562 Gemälde von 325 Künstlern aus zehn Nationen werden bis Ende Juli im neuerrichteten Ausstellungshaus des bulgarischen Künstlerverbandes an der Schipkastraße gezeigt. Beteiligt sind neben dem Gastgeberland Rumänien, Ungarn, die CSSR, Polen, die DDR, die UdSSR, die Mongolische Volksrepublik und Nordvietnam. Daß Albanien und Jugoslawien nicht vertreten sind, hat wohl eindeutig politische Gründe.

Das Lehrstück inszenierte dem sozialistischen Lager die Zuckerinsel Kuba. Wer bisher meist vergebens nach zeitgenössischen Beispielen für eine qualitätvolle engagierte Kunst suchte, hier findet er sie. Der intellektuelle Sozialismus Fidel Castros hat ein Klima geschaffen, in dem sich eine eigenständige Kunst entwickeln konnte. Westliche Strömungen wie Pop art, Surrealismus oder Foto-Realismus sind bekannt und werden intelligent verarbeitet. 1973 porträtiert Juan Moreira Bencomo Marx und Lenin als freundliche Pop-Fürsten. In jedem Land würde dergleichen als bourgeoise Blasphemie verurteilt.

Bei Eberto Escobedo Lazo wird Fidel Castro zum temperamentvollen Volkstribun, vor dem sich sogar die Mikrophone huldvoll verneigen. Che Guevaras Porträt krönt…

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