Titel: Erotik in der Bildenden Kunst , 1973

ED SOMMER

Erotik in der bildenden Kunst der Gegenwart

Wären ‚Erotik‘ und ‚bildende Kunst‘ eindeutig und allgemein verbindlich umrissene Begriffe, so wäre es auch unproblematisch, einen Rahmen zu entwerfen, in den alles einsortiert werden könnte, was unter diese beiden Begriffsbestimmungen fiele. Eine endgültige und feste Abgrenzung könnte aber nur von dogmatischem Charakter sein, indem uns heute ‚Erotik‘ ebenso wie ‚bildende Kunst‘ kontinuierlich in andere Definitionsfelder verschwimmen. Und ihre Zugehörigkeit zur Kultur-, Kommunikations- und Zeichenwelt lässt ihre blosse Existenz in hohem Masse abhängig erscheinen von nicht generell gültigen Wahrnehmungs- und Interpretationsweisen.

Trotzdem sind die Begriffe zu klären – wenn auch nur im Sinne vorläufiger und offener ‚ Setzungen. Das grosse Feld der zeitgenössischen bildenden Kunst nach Erotischem auszusieben, ohne auch nur provisorisch festzulegen, was man unter beiden versteht, müsste doch auf einem angenommenen Consensus in Wahrnehmung, Einsicht und Verständnis beruhen, der sich nun nur der rationalen Verfügbarkeit entzöge. Es geht also darum, Definitionen ohne Scheuklappenwirkung zu versuchen, die weit genug sind, um auch der subjektiven oder gruppenspezifischen Komponente in jeder Rezeption von Kunst wie von Erotik gerecht zu werden.

Die bildende Kunst ist jenes Feld von Dingen, die dazu geschaffen wurden, lustvoll und bewusstseinsstrukturierend wahrgenommen zu werden, das Feld der Dinge für eine ästhetische Wahrnehmung. Die Lust ist hierbei anzunehmen als emotionale Komponente der Wahrnehmung selbst, nicht irgendeines Zweckes, dem diese dient. Oder – Wahrnehmung als rezeptiver ästhetischer Prozess hat keine bloss dienende Funktion; sie trägt ihren Zweck: Funktionslust kultureller Betätigung in sich selber. Die Strukturierung von Bewusstsein ist dabei die Konsequenz aus der Aufnahme…

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