Ausstellungen: Hannover · von Peter Winter · S. 81
Ausstellungen: Hannover , 1973

PETER WINTER

Einweggehirne und Einwegsprüche

‚Kunst im politischen Kampf Kunstverein Hannover 31.3. – 13.5.1973

Als ziemliches Fiasko erwies sich in Hannover der Versuch des Kunstvereins, mit viel Papier eine thematische Ausstellung unter dem brisanten Titel ‚Kunst im politischen Kampf auf die Beine zu stellen. Dabei schienen die Vorzeichen anfangs ganz günstig: An einem Wochenende im Februar trafen sich in den Räumen des Kunstvereins die vom Veranstalter Helmut Leppien und vom Mitinitiator Christos Joachimides eingeladenen Autoren zu einem Colloquium, in dem ‚partnerschaftlich, gleichberechtigt die Erarbeitung einer Ausstellung versucht‘ werden sollte. Ein Vorhaben also, das so bislang weit und breit auf der Kunstszene kaum praktiziert worden war und in dessen Vorbereitungsdiskussion der Ausstellungsbesucher dann 8 Wochen später per Videorecorder Einblick nehmen konnte. Einen Haken hatte die Sache trotz aller Mitbestimmungsversprechungen doch: die Teilnehmerliste konnte von den Teilnehmern nicht mehr verändert werden. Dadurch kam es auch prompt schon in der Phase der Vorbereitung zu den ersten Querelen, Eingeladene traten zurück und potentielle Interessenten wurden nicht eingeladen. Am Ende der Planung hatte man nicht nur einen anderen Titel für das Projekt gefunden – der jetzt, statt vage distanziert ‚Künstler über Politik‘ provokativ ‚Kunst im politischen Kampf hieß – sondern auch eine veränderte, leicht geschrumpfte Teilnehmerliste auf dem Tisch. Die endgültigen Mitmacher, die sich im Katalog selbst mit ihren Intentionen und einem Interview vorstellten, waren jetzt Albrecht DM Joseph Beuys, KP Brehmer, Hans Haacke, Dieter Hacker, Siegfried Neuenhausen, Klaus Staeck und Wolf Vostell.

Im Colloquium bestand die Absicht, ‚eine konfliktreiche Ausstellung‘ zu organisieren und der sich bescheiden als Vermittler…

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