Kommentar , 1973

Klaus Honnef

TAGEBUCH

Sonntag, den 14. Januar

In den Räumen des Westfälischen Kunstvereins spielen Peter Brötzmann, Kann Bennink und Fred van Hove; der Andrang ist enorm. Es ist – unter dem Titel ‚free Music und Bier‘ – die zweite Veranstaltung einer Reihe, die mit dem Ziel begonnen wurde, die einseitige Orientierung der Aktivitäten auf das Vorzeigen von Zeugnissen der sog. Bildenden Kunst aufzubrechen. Kunstvereine wie sie jetzt begriffen werden, sind aus der Zeit. Wenn sie überhaupt noch zu retten sind, dann durch ein Umkrempeln ihrer Programmstruktur in Richtung auf eine intensivere Untersuchung (und Information) der Möglichkeiten verbaler und ausserverbaler Kommunikation. Wobei fraglich ist, ob ein derartiges Verlassen der gehüteten Kunstvereinspfade vom kunstbeflissenen Mitgliederstamm überhaupt honoriert wird.

Montag, den 15. Januar

Irgendwann vor anderthalb Jahren hat irgendwer einmal die Geschichte von der Krise der Kunstvereine in die Welt gesetzt. Seither ist sie ein ausgesprochener Hit; darüber hinaus: sie hat die Kunstvereine, über die jahrelang niemand sprach, wieder zum Gegenstand der Diskussion gemacht. Keine Woche in jüngster Zeit, wo ich nicht eine Bekundung zum Thema Kunstvereine zu äussern gehabt hätte. Nun hat Helmut R. Leppien in Hannover seine erste Ausstellung als Direktor des dortigen Kunstvereins (neben der Kestner-Gesellschaft natürlich) auch noch dem Thema Kunstvereine gewidmet, indem er den brisanten Komplex Jahresausgaben aufgriff. Die Jahresgabenprogramme verschiedener Kunstvereine werden in Hannover unter …

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