Evergon

Narziß läßt grüßen in Evergons Polaroid-Porträts. Überhaupt – die mythologischen Bezüge springen ins Auge. Deshalb wäre es auch falsch, von Porträts oder Selbstporträts zu sprechen. Andererseits liefert der Mythos nicht mehr als eine intellektuelle Kulisse für die fotografische Inszenierung. Der Autor bricht den wabernden mythischen Dunst durch Ironie. Wie ein Blitz reißt sie das scheinbare Dunkel auf, das eben doch nichts anderes ist als Theaterqualm. Gestaltende Eingriffe des Künstlers in die Oberfläche der fotografischen Bilder akzentuieren die Künstlichkeit der ausgemalten Bildwelt. Der Narziß in den paradoxen Aufnahmen von Evergon – paradox insofern, als es sich um auf Dauer angelegte Instant-Fotografien handelt – erschöpft sich nicht in Selbstliebe, sondern liebäugelt ganz unverschämt mit seinem Publikum. Dabei verwandelt sich Narziß ganz unvermittelt in einen Satyr.

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