Titel: Inszenierte Fotografie I , 1986

Candida Höfer

Die Bilder von Candida Höfer vergegenwärtigen einen Ausschnitt der Wirklichkeit, ganz ohne Zweifel. Doch wirken sie auf uns wie die Abbilder von Kulissen eines abgesetzten Stücks, das ‚Wirklichkeit‘ heißt. Ihre Motive erinnern häufig an Bühnenbilder, zugleich Hintergründe und Instrumentarien eines Aufführungsrituals. Darin vollzieht sich das alltägliche Leben oder das, was wir so nennen. In der Tat handelt es sich um Räume mit – zumindest – beschränkter Öffentlichkeit. Gesondert zwar von der brodelnden, scheinbar ungeordneten, mitunter so chaotisch anmutenden Außenwelt. Aber dennoch in vielerlei Hinsicht von dieser erfüllt und durchdrungen, allerdings jeweils unter dem Diktat eines besonderen Verhaltens, das jeder einzelne dieser Räume von denen, die sie betreten, fordert. Spielflächen des Spiels ‚Leben‘, wobei Schein und Wirklichkeit zur undurchdringbaren Folie verschmelzen. Fiktiv und real, real und fiktiv. Eine Fotografin wirft ihren Blick auf die Außenwelt und entdeckt in dieser Züge ihrer eigenen Befremdung. Sie spiegelt und reflektiert, weshalb sie sich als Fremde empfindet. Indem sie das Fiktive im Realen durch gezielte Auswahl und gezielte Kadrage verdichtet, ja, gerade durch Anwendung der striktesten Prinzipien dokumentarischer Fotografie das Reale ins Fiktive umkippen läßt, schärft sie unseren Blick dafür, wie weit wir uns schon von der unmittelbaren Wirklichkeit entfernt haben, ohne daß es uns bislang richtig bewußt geworden ist.

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