Ausstellungen: Bonn · S. 241
Ausstellungen: Bonn , 1986

Stephan Schmidt-Mühlisch

Constant 1945-83

Rheinisches Landesmuseum Bonn, 17.1.-2.3.1986

Klaus Honnef hat im Katalog zu seiner großen Constant-Ausstellung im Rheinischen Landesmuseum Bonn ohne Not ein Goethe-Zitat benutzt und es zugleich als »dubios« abgewehrt: »Bilde, Künstler, rede nicht!« Dem Katalog- und Ausstellungsautor ist wohl hintergründig – und wahrscheinlich auch wider Willen – ein Widerspruch im Sinn gewesen, der das Wirken Constants charakterisiert. Der eloquente Theoretiker Constant hat eher das formuliert und als Wunschvorstellung reflektiert, woran der Maler Constant nicht so recht zu glauben vermochte.

Der niederländische Künstler, Jahrgang 1920, Mitbegründer der internationalen Gruppe »Cobra«, (1948) war als Theoretiker ein illusionärer Optimist. Zur Cobra-Gründung zum Beispiel gehörte seine Meinung: »In dieser Periode der Umwälzung kann der schaffende Künstler keine andere Rolle spielen als die eines Revolutionärs, und er ist verpflichtet, die letzten Reste einer verflachten und hinderlich gewordenen Ästhetik zu vernichten, um die schöpferischen Instinkte, die noch unbewußt im Menschen schlummern, aufzuwecken.« Er glaubte, den »kreativen Massen« ein »neues Bewußtsein« stimulieren zu können.

Aber selbst in dieser Phase, in der sich Constant dem optimistischen Formenkanon von Kinderzeichnungen und Graffitis verpflichtet fühlte, hat er eigentlich eher melancholische, ja schmerzliche Bilder gemalt. Er ist nie in die verspielt-dekorativen Primitiv-Darstellungen eines Miró abgeglitten. Er hat, was bei der vorgegebenen Naivität der Mittel sehr viel dramatischer wirkte, dem Leiden eine ganz neue Signifikanz gegeben. Schon die Bildtitel legen das nahe: »Weinende Frau, durch ein sterbendes Blatt verletzt«. Oder: »Fest der Trauer«. Die deformierten Köpfe, die riesigen, angstvollen Hände, die Leitern, die nicht mehr retten – das alles ist bei Constant so direkt…

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