Ausstellungen: Frankfurt a.M. , 1986

Sigrid Feeser

Amerikanische Zeichnungen 1930-1980

Städtische Galerie im Städelschen Kunstinstitut Frankfurt 28.11.1985-26.1.1986

Im Frühjahr 1985 gab es in der für wichtige Ausstellungen nicht gerade berühmten École nationale supérieure des Beaux Arts in Paris eine von den Kunstwissenschaftlern der Sammlung de Menil in Houston/Texas erarbeitete Ausstellung amerikanischer Zeichnungen von 1930 bis 1980 zu sehen, die ihrer sorgfältigen Auswahl halber vor allem unter den Kennern Furore machte. Auch bei der späteren Übernahme durch das Frankfurter Stadel ging es nicht ganz ohne Überraschungen ab – gezeigt wurde nämlich ausschließlich ein »Amerika aus amerikanischer Sicht«. Die Kunsthistoriker aus Houston breiten nicht nur eine detaillierte Entwicklungsgeschichte aus, sondern räumen auch gründlich auf mit dem Mythos einer voraussetzungslosen Selbstbegründung der amerikanischen Kunst (die einem anscheinend unausrottbaren europäischen Vorurteil zufolge immer noch »nach 1945« beginnt). Dies angemessen zu belegen, haben die eigenen Bestände offensichtlich nicht ausgereicht; etwa gut die Hälfte der 120 Blätter (von 70 Künstlern) stammt aus amerikanischem Privat-, Museums- und Künstlerbesitz. Der Begriff Zeichnung wurde auf Arbeiten aus Papier eingeschränkt, regionale Eigenschaften, so die Veranstalter, wurden bewußt übergangen, jüngste Entwicklungen auf der Szene ausgeklammert: kein Künstler ist nach 1945 geboren.

Das Ergebnis ist bestechend: Eine schöne, konzentrierte Schau ist da entstanden, eine in sich stimmige, fast intim anmutende Anthologie, in der in der Regel die sogenannten Meisterwerke das Sagen haben, Peripheres eher die Ausnahme ist, »Entdeckungen« aber immer möglich bleiben. Die These von einer eigenen, amerikanischen Tradition der Moderne wird mit drei souveränen Bleistiftzeichnungen zu Edward Hoppers »Nighthawks« gleich zu Anfang geradezu irritierend schlüssig eingeführt und belegt -…

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