Monografie , 1984

Franz Wanner

von Christoph Schenker

„Nichtsdestoweniger, bildgesegnet und bildverflucht
ist das menschliche Leben;
nur in Bildern vermag es sich selbst zu
erfassen, unbannbar sind die Bilder,
sie sind in uns seit Herdenbeginn, sie
sind früher und mächtiger als unser
Denken, sie sind im Zeitlosen, schließen
Vergangenheit und Zukunft in sich ein,
doppelte Traumerinnerung sind sie,
und sie sind mächtiger als wir.“
(Hermann Broch, „Der Tod des Vergil“)

Im folgenden führen wir eine doppelte Rede oder, vielmehr, verschränken wir die Rede von dem Arbeiten und die Rede von den Arbeiten Franz Wanners. Daß wir die zwei Reden nicht geschieden führen, wie es sich ansonsten ziemte, drängt sich hier zwar nicht als Notwendigkeit auf, legt sich aber dennoch nicht zufällig nahe, wie sich zeigen wird.

Franz Wanners Arbeiten entwickeln sich hauptsächlich aus einem wissensbegierigen Erwerben der Tradition einerseits und andrerseits aus einer erkenntnisfördernden Auseinandersetzung vor allem mit dem Bild, beides gerichtet auf Probleme hin der Wahrnehmung bzw. der Form unserer Aneignung und unseres Bezuges auf Welt. Dabei verbleiben ihm Werke der Tradition keineswegs nur periphere Katalysatoren zur eignen Arbeit. Diese Vor-Bilder sind als Erkenntnisgegenstände Ausgangspunkt einer eingehenderen, kritischen Beschäftigung mit bestimmten Bildhandlungen und Bildgedanken, die in eigene Werke mündet. Eine kritische Beschäftigung will sagen: im Unterschied zu einer intuitiven, subjektiven oder expressiven Fruchtbarkeit damit objektiv produktiv zu sein, schöpferisch zu sein aus Besonnenheit. Im Grunde ist es doch eigentlich ganz einfach der schwierige, weil sehr anspruchsvolle Versuch, gescheite Bildstrategien noch einmal zu denken, noch einmal zu vollziehen. Und die gelungene Form, Wanners Bildform, wäre nichts anderes…

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