Titel: von hier aus · S. 118
Titel: von hier aus , 1984

Über den Tempeln steht ein Hauch von Teufelsdreck

‚von mir aus‘ Anmerkungen zu ‚von hier aus‘
von Heinz Thiel

Hat man sich aus dem Gewirr von Gassen, Gängen, Plätzen, Rotunden und Präsentationsboxen nach einem ersten Teilrundgang in die allgegenwärtige Konsumwelt zurückgezogen, also in einen der beiden Cafeteriabereiche, holen den Betrachter Kaffee und Gespräch zurück in die Gegenwart. Gleichzeitig tauchen ;aber auch Bilder auf, die den gerade gewonnenen Boden unter den Füßen wieder ins Schwanken bringen: Eindrücke eines durchschnittlichen Touristentages in den ausgegrabenen und sauber restaurierten Mauern von Pompeji.

Die Halle 13 der Düsseldorfer Messe erscheint mir als ein nachempfundenes, mit Phantasialand-Erfahrung angereichertes Bild der jahrhundertelang verschütteten griechisch-italischen Mischkultur. Bauwerke, Räume und Kunstwerke sind bestens erhalten und geben dem, der in der Lage ist, mittels Augenschein die innere Zeitmaschine in Gang zu setzen, ein getreuliches Abbild eines Lebens, das er nie selber miterleben kann.

Im Zwischenbereich von totem Leben und lebendigem Tod ist dieses potemkinsche Dorf der Kunst angesiedelt.

Bruchstücke eines Gesprächs erreichen mich vom Nachbartisch, an dem ebenfalls mit Kaffee die Kunst-Verdauung angeregt werden soll: ,,Wenn ich hier ‚rumgehe, komme ich mir vor wie hundert Jahre alt“. Das sagt eine Besucherin, die etwa mit dem Durchschnittsalter der Produzenten dieser ’neuen deutschen Kunst‘ übereinstimmen muß, so circa um die 40. Der Satz trifft genau die Atmosphäre; man fühlt sich ebenso abgehoben von dieser Kunst, wie diese Kunst abgehoben wurde von der Gegenwart.

,,Ich bin der Überzeugung, diese Ausstellung hätte gut 10 Jahre früher stattfinden müssen.
Heute ist der touch des Chauvinismus zu stark“.
Jörg Immendorf in der…

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