Monografie , 1973

JÜRGEN WISSMANN

Icke Winzer

Was die Moderne seit ihren Anfängen als Problem diskutiert, um dabei immer neu formulierte Lösungen zu finden, die Antinomie nämlich zwischen dem Individuellen und einem Allgemeinen – diese Antinomie ist in besonderem Maße das Thema der Arbeiten Icke Winzers. Nicht allerdings setzt Winzer in seinen Bildern auf die spontan entworfene Geste, in der Erwartung, daß Objektives in deren Niederschlag daran sich hefte, noch sammelt er ein vorgegebenes Objektives ein, in der Erwartung, daß in der Wahl Subjektives sich mit jenem verbinde. Seine Malerei, die überhaupt jedem Motiv, auch dem geometrischen mißtraut, stellt die Divergenz subjektiv-objektiv selbst dar, wobei aus Einsicht in die heute noch mögliche Gestaltung nicht die harmonische Synthese geboten wird, die nur eine falsche ;ein könnte, wenn sie Individuelles mit Allgemeinem zu versöhnen vorgäbe.

Schon die Wahl der Farben widersteht dem trügerischen Versprechen. Kulinarische Qualitäten und Möglichkeiten der Assoziation, jeder emotionale Wert werden vermieden. Die Farbtöne sind einer Grau-Skala entnommen, die nur sparsam zu gelben, braunen oder grünen Nuancen hinüberspielt.

Vergleichbar umgeht auch die Komposition, die Gliederung des Bildfeldes, die Geschlossenheit eines sich selbst definierenden Ganzen. Mit seiner homogenen Oberfläche ist das Bild ohnehin indifferent zu einer wie immer gewählten Bildgrenze. Und die malerischen Betonungen, die sich von der homogenen Fläche abheben, an den Rändern sowie als ins Bild eingelassene Streifen, gliedern nicht die Fläche, indem sie sie harmonisch unterteilen. Absichtlich erscheinen die eingesetzten Artikulationselemente nicht an ausgezeichneten Stellen des Bildfeldes, der Mittelsenkrechten etwa oder der Mittelwaagerechten, sie orientieren sich nicht an den Bestimmungen des Goldenen Schnitts oder…

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von Jürgen Wissmann

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