Monografie · von Axel Hecht · S. 168
Monografie , 1974

AXEL HECHT

RUNE MIELDS

Am Anfang war die Röhre. Die Malerin Rune Mields hatte sie gefunden, wie der Schriftsteller ein Leitmotiv, der Wissenschaftler ein Axiom. Rune Mields arbeitet mit der Röhre. Sie tut es seit 1968. In dieser Zeit hat sie ihr Instrumentarium mit äußerstem Raffinement erweitert: Röhren wachsen nicht nur machtvoll aus monochromen Bildflächen, Zylinder zielen sogar auf Betrachter.

Diese Körper stattete Rune Mields mit Signalwerten aus, machte sie zu Zeichen für Kraft, Technik und Rationalität. Trotz puristischer Flächenmalerei entstanden Bildobjekte. Der Verzicht auf jegliche kompositionelle Staffelung schuf eine neue Dimension: Die Röhre, durch perspektivische Verkürzung oder Überhöhung zum Aggressionsträger geworden, der stets aus dem Bild herausdrängte, griff in das Geschehen des umliegenden Raumes ein, zwang den Betrachter aus der traditionellen Passivität, machte ihn zum Beteiligten.

Dabei vermied Rune Mields es von Anfang an, ihre Bild-Körper in der Nähe zu realen Einheiten anzusiedeln. Zwar hatte sie ihre Symbole aus der Wirklichkeit gewählt, doch auf keinem ihrer Bilder erscheint der ursprüngliche Kontext. Vielmehr als das reale Volumen interessierte sich Rune Mields (‚Mich beschäftigt die Frage der mathematischen Erfindung“) für ein eigenes, von ihr determiniertes Volumen.

Das führte zu jener Kultivierung des trompe-l’oeil-Effektes, der ihre Arbeiten solange charakterisierte. Dabei ging es Rune Mields nicht um spektakuläre Wirkungen, wie überhaupt ihre ganze Malerei absolut uneitel ist, sondern um ein Maximum an bildnerischer Glaubwürdigkeit. Zur intellektuellen Redlichkeit dieser Malerei gehört es denn auch, daß Rune Mields schon bald (1970) begann, ihr künstlerisches Vorgehen durchsichtig zu machen: Plastisch ausgeführten Röhren werden seither oft nicht ausgeführte gegenübergestellt. Dabei kommt es…

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