Ars Natura
Die in Spangenberg ansässige „Ars natura“-Stiftung legt entlang der Fernwanderwege Höxter-Bad Brückenau und Korbach-Bad Frankenhausen eine insgesamt 150 km lange „zu erwandernde Natur-Kunst-Galerie“ an. In einem Abstand von 800 bis 1000 m werden Skulpturen aus den Werkstoffen Stein, Holz und Metall aufgestellt. Der nächste Teilabschnitt umfasst 20-25 km auf der Strecke Rotenburg-Fulda. Hier sollen von Ende 2008 bis Mitte 2009 rund zwei Dutzend Bildhauerarbeiten platziert werden. Der Künstlerwettbewerb für dieses Teilstück wurde Ende Mai 2008 abgeschlossen. Infos: www.ars-natura-stiftung.de.
Frankfurter Positionen
Im Frühjahr 2008 fand zum vierten Mal seit 2001 die Veranstaltung „Frankfurter Positionen“ statt. Das Projekt versteht sich als „Experimentierfeld für die Künste“. Bildende Künstler, Theaterleute, Musiker und Filmemacher unternahmen „eine Positionsbestimmung zu dem sich vollziehenden gesellschaftlichen Wandel und zu den Veränderungen in der Lebenswelt“. Die diesjährige Veranstaltung beschäftigte sich „mit den Quellen und Grenzen der Erneuerungsdynamik, mit der der Mensch derzeit sich und seine Umwelt in immer schnellerem Tempo neu erfindet.“ Die Beiträge der bildenden Künstler konzentrierten sich auf den öffentlichen Raum der Frankfurter Innenstadt. So konzipierten Gert und Uwe Tobias eine Ausstellung mit Schülerarbeiten in den Galerien und Geschäften der Braubachstraße. Arto Lindsay führte zusammen mit Studenten der Städelschule eine Parade unter dem Motto „I Am A Man“ durch.
Inges Idee
1993 schlossen sich die Künstler Hans Hemmert, Axel Lieber, Thomas A. Schmidt und Georg Zey zur Gruppe „Inges Idee“ zusammen und realisieren seitdem gemeinsam Projekte im öffentlichen Raum. Ihre künstlerische Strategie hat bisweilen einen surrealistisch anmutenden Charakter: Die Gruppe frönt einem absichtsfreien Spiel der Gedanken. Ihre Objekte sind ein Ergebnis von Experimenten mit Materialien, Techniken, Gestaltungsprinzipien und deren Symbolwirkungen. Dabei werden „die Werke von ihren bisherigen Signifikationen befreit“, und in der konkreten Inszenierung münden sie in eine intellektuelle Neuordnung von Zusammenhängen. Jüngst hatte die Gruppe im Frühjahr 2008 eine Ausstellung im Projektraum des Deutschen Künstlerbundes in Berlin. Dieser Projektraum in der Rosenthaler Str. 11 ist ausdrücklich „nicht als ein weiterer Showroom“ definiert, sondern als eine Möglichkeit zu einer künstlerischen „Laborsituation“, wie sie den grundsätzlichen Absichten der Gruppe „Inges Idee“ entgegenkommt.
Wiesbadener Kunstsommer
Bis zum 3. August 2008 sind am ersten Ring zwölf Skulpturen und Installationen zum „Wiesbadener Kunstsommer“ zu sehen. Veranstaltet wird die Aktion vom örtlichen Kulturamt und der Interessengemeinschaft der Galerien in Wiesbaden. Die Arbeiten befinden sich zwischen Landeshaus und Sedanplatz entlang einer fußläufigen Strecke von rund 2 km. Die feierliche Schlussveranstaltung ist für den 3. August 2008 (12 Uhr) angekündigt und wird vor der Ringkirche abgehalten. Im Gemeindesaal dieser Kirche findet während der Laufzeit der Aktion einmal pro Woche ein Künstlergespräch mit den eingeladenen Bildhauern statt. Künstlerliste: Hans-Peter Webel, Thomas Schönauer, Ulli Böhmelmann, André Tempel, Miriam Wetzel, Georg Zey, Migu Michael Syed, Titus Grab, Gabor Török, Steve Johnson, Ursula Bertram, Sabrina Hohmann.
Blumenkinder
Vor vierzig Jahren erreichte die damalige studentische Protestbewegung ihren Höhepunkt. Marxistisch geschulte „APO“-Aktivisten und friedlich-unpolitische Hippies bestimmten 1968 die Jugendkultur. Deren Lebensgefühl spielte sich zwischen „Teach-Ins“ an den Universitäten, Demonstrationen gegen den Vietnam-Krieg und „Love and Peace“-Parolen ab. Der Essener Künstler Karl-Heinz Mauermann, der in seiner Privatwohnung eine Ausstellungsreihe organisiert, hat die vierte Werkschau dieser Reihe unter das Stichwort „Blumenkinder“ gestellt. Zu sehen sind u.a. Fotos des Steinert-Schülers VA Wölfl, der beim legendären Woodstock-Festival dabei war, und ein Pflasterstein von Wilhelm Kreimeyer, der an die „Straßenschlachten“ zwischen Demonstranten und Polizisten erinnert. Gastgeber Mauermann selbst beteiligt sich mit einem Zeichentrickfilm, der die damals populären „psychedelischen Phantasien“ ironisch bricht. In den Wohnräumen des Künstlers „durchdringen sich Kunst und Alltagskultur, werden längst vergangene Träume fürstlicher Wunderkammern und bürgerlicher vormusealer Sammlertätigkeit wiederbelebt.“ Künstlerliste: Claudia Breuer, Helmut Dick, Anjali Goebel, Claudia Kappenberg, Ruth Knecht, Ruppe Kosseleck, Wilhelm Kreimeyer, Jochen Leyendecker, Iwona Liegmann, Karl-Heinz Mauermann, Mary Catherine Newcomb, Frank Niehusmann, Christian Paulsen, Bärbel Rothhaar, Matthias Schamp, Gerda Schlembach, Steffen Schlichter, Stef Stagel, Katja Struif und VA Wölfl. Ausstellungsdauer: 6.-21. September 2008, Byfanger Str. 91, Essen. Kontakt: Tel. 0201-8477955.
Brotteig Kneten
Im Juni 2008 fand in Darmstadt zum fünften Mal die Veranstaltung „KunstTREFFpunkt“ statt, diesmal im Rahmen des Darmstädter Architektursommers. Einer der Beiträge war die Aktion „Brotteig kneten“. Die beiden Künstlerinnen Amber Ginsburg und Melissa Johnson besuchten drei Tage lang Darmstädter Privathaushalte, um dort in künstlerisch gestalteten Keramikformen Brot zu backen. Dieses Brot wurde später am Tag an einem öffentlichen Stand am Weißen Turm verkostet.
Internationales Künstlergremium
Das Internationale Künstlergremium IKG führt sein nächstes Jahrestreffen vom 16. bis 19. Oktober 2008 in Frankfurt/Oder durch. Die Versammlung ist jedes Mal eine Mischung aus „Ausstellung, Familientreffen, Debatte und Kennenlernen von anderen Positionen“. Sie findet immer in einem anderen europäischen Land statt. Das internationale Künstlergremium wurde 1976 von Joseph Beuys, Jochen Gerz, Gotthard Graubner, Klaus Staeck und anderen gegründet und hat heute 235 Mitglieder. Es ist „ein Zusammenschluss von Individualisten, die als Künstler, Kuratoren, Kritiker auf dem Gebiet der bildenden Kunst arbeiten. Analog zum Pen-Club setzt sich das IKG für Kunst-, Informations- und Pressefreiheit, für kulturelle Selbstbestimmung, Toleranz und kulturelle Vielfalt ein.“
Köln: Labor
Die unterirdische Fußgängerpassage am Kölner Ebertplatz ist ein wenig anheimelnder Ort. Es ist duster, es riecht streng, und die illustren Gestalten, die sich hier herumtreiben, ziehen immer wieder die Aufmerksamkeit der Zivilstreifen der Polizei auf sich. Nachts diese Passage allein durchqueren zu wollen, ist schon eine Mutprobe. Der Ebertplatz gilt als Paradebeispiel für die städtebaulichen Fehlplanungen der 1960er und 1970er Jahre, als man nicht die Autos, sondern die Fußgänger unter die Erde verbannte. Die drei Künstler Michael Nowottny, Gerd Mies und Michael Staab haben sich ganz bewusst für diese Kehrseite großstädtischer Urbanität entschieden, um hier in einem Ladenlokal ein „Labor“ zu betreiben. Hier organisieren sie mit der Kulisse einer „Favela Bar“ Künstlerfeste, Performances und Rauminstallationen. Die jüngste Installation „Die italienische Nacht“ war bis Ende Juni 2008 zu sehen und bestand aus „empirischen Untersuchungen“, ob Köln nun „die nördlichste Stadt Italiens oder die südlichste Stadt Hollands“ ist.
Darmstadt: Waldkunst
Ute Ritschel kuratiert auch in diesem Jahr wieder für den Darmstädter „Verein für Internationale Waldkunst e.V.“ ein Projekt auf dem Waldkunstpfad am Böllfalltor. Das aktuelle Motto lautet „Kreisläufe und Systeme“. 15 eingeladene Künstler thematisieren „ökologische Einflüsse mit Mitteln der Kunst“. Großen Wert legt die Kuratorin auf Beiträge mit „Interaktionen zwischen Betrachter und Kunstwerk“. Das Projekt beginnt am 11. August 2008 mit einem 18tägigen Symposion. Vernissage für die fertigen Arbeiten ist am 30. August 2008. Infos: www.waldkunst.com.
Remote Words
Die Medienkünstler Uta Kopp und Achim Mohné haben ein Konzept „Remote Words. Net“ entwickelt, das über die Fotosatellitenaufnahmen von „Google Earth“ verbreitet werden soll. Die beiden Künstler wählen kurze Texte aus und laden Autoren ein, Gedichte oder Statements von max. 30 Zeichen Länge einzureichen. Diese Texte werden dann in einheitlicher Schrift mit großen Buchstaben auf Flachdächern angebracht. So soll das Dach der Indiana University in Bloomington (USA) künftig ein Zitat von Michel Foucault zieren und auf jenem der Sylt Quelle im Sommer 2008 ein Satz von Niklas Luhman angebracht werden. Jochen Heufelder, Leiter des Kölner „Kunstraum Fuhrwerkswaage“, hat sich bereits im März 2008 auf dessen Dach ebenfalls literarisch verewigt, desgleichen Sabine Himmelsbach auf dem Dach des Oldenburger Medienkunstzentrums Edith-Ruß-Haus. „Aus technischen Gründen können die Botschaften nur sehr kurz sein, da ansonsten die Auflösung der Satellitenbilder nicht ausreicht. Die Qualität der Luftbilder hängt von der Größe der Fläche und der Auflösung der Gegend ab. So bietet das relativ kleine Dach des Edith-Ruß-Hauses für Medienkunst wegen der schlechten Auflösung der Daten für Oldenburg gerade mal Platz für ein Wort, während die neue Nationalgalerie Berlin sogar ein kurzes Gedicht zuließe.“ Für die Schrift wählten Kopp und Mohné die weithin sichtbare Signalfarbe rot, die sich mit witterungsbeständigem Acryllack für Dachpappen-Bitumen auftragen lässt. Von der Straße aus sind die Texte nicht zu sehen: „Die konkrete visuelle Erfahrung vor Ort wird ersetzt und einer zeitlichen Verschiebung unterworfen“, denn „Google Earth“ zeigt nicht aktuelle Aufnahmen, sondern solche, die 1-3 Jahre alt sind. „Durch die Landmasse und der damit zu verarbeitenden Datenmenge ergibt sich jedoch eine Zeitverzögerung von mehreren Jahren. Kürzlich fertig gestellte Bauwerke erscheinen bei Google Earth noch als Rohbau, während bereits abgerissene Gebäude aus der Luft betrachtet noch existent sind… Der Berliner Datensatz stammt beispielsweise vom Mai/Juni 2006. Die Verarbeitung der Daten führt zu einer Zeitdehnung, die wir von der Digitaltechnik nicht gewöhnt sind. Im Google-Earth-Bild wird eine Jetztzeit suggeriert, die in Wirklichkeit aus Zeitfragmenten besteht…“ Infos: www.remotewords.net.
Jahreskünstler
Ungewöhnliche Wege beschreitet der Bestatter Pütz-Roth mit seinem Beerdigungsinstitut in Bergisch Gladbach vor den Toren Kölns. In seinem „Haus der menschlichen Begleitung“ trat auch schon mal die Karnevalsband „Bläck Fööss“ auf. Die Kabarettisten Rainer Pause und Martin Stankowski erläuterten den „Tod im Rheinland“ als kurzweilig dargebotene Geschichte des mittelalterlichen Reliquienkults, und der Künstler Rolf Hinterecker schuf für die trauernden Hinterbliebenen eine Folge von Rauminstallationen, darunter einen Paradiesgarten mit Plastikblumen und andere Inszenierungen zur Besinnung und Meditation. Jüngst hat Pütz-Roth auch einen „Jahreskünstler“ in sein Programm aufgenommen. Für 2008 wurde der Bildhauer Lutz Fritsch eingeladen, seine Arbeiten dort vorzustellen und mit dem Hausherrn über das Thema Tod zu diskutieren.
Soziale Diagramme
Unter dem Titel „Soziale Diagramme“ dokumentiert das Künstlerhaus Stuttgart „historische Materialien und künstlerische Projekte, die sich mit komplexen gesellschaftlichen Systemen beschäftigen. Gemeinsam ist den Ansätzen ihr Interesse für die Dynamik sozialer Interaktion.“ Die Ausstellung gibt einen Einblick in die methodischen Debatten, mit denen seit den 1950er Jahren die gesellschaftliche Entwicklung in zunehmend komplexen Modellen zu fassen gesucht wurde, etwa in kybernetischen Verfahren und Feedback-Theorien. In letzter Zeit sind solche Theorien wieder verstärkt von Künstlern und Gestaltern aufgegriffen worden, „um damit die Funktion von Kommunikation und Kontrolle zu untersuchen.“ Zu sehen sind Projekte von Ian Kiaer, Zoe Leonard, Karolin Meunier, Katerina Seda, Mirjam Thomann, Stephan Willats, An Architektur, Dexter Sinister mit Steve Rushton u.a. (Bis 23. August 2008).
Linzer Spitzen
Boris Nieslony organisierte im Juni 2008 in den Räumen des Kölner „artclub“ einen Performanceabend mit Künstlern und Studenten der österreichischen Kunstuniversität Linz. Sie zählen dort zu den interessantesten Aktivisten der Performance-Szene. Im „artclub“ zeigten sie jeweils 15- bis 30minütige Live- und Videoperformances. Dabei inszenierten einige ganz bewusst nur minimale Bewegungen mit äusserst sparsamen Gesten. Sie führten Materialaktionen durch, setzten Objekte als Skulpturen ein oder boten ironische Kommentare zum Medium „Performance“ oder zur Kunst generell. Künstlerliste: Nora Riedl, Noemi Auer Elisa Andessner, Amel Andessner, Wolfgang Tragseiler, Matthias Narzt.
Kunstverein Artemedia
Sein zehnjähriges Bestehen feiert in diesem Jahr der Eifeler Kunstverein Artemedia e.V. Er führt alle zwei Jahre im Sommer rund um das Gemeindehaus Buchet sein Projekt „Skulpturenweg“ durch. Die Teilnahme wird in Deutschland, Belgien und Luxemburg öffentlich ausgeschrieben. Die diesjährige Skulpturenausstellung wurde am 12. Juli 2008 eröffnet. Zu sehen sind Arbeiten von Jean-Pierre Bredo, Norbert F. Conzen, Peter Wiener, Michael Boetsch und Raymond Birgin. Bis zum 18. September 2008 sind die Arbeiten auf dem Skulpturenweg täglich von 10 bis 18 Uhr zugänglich. Die „Ergänzungsausstellung“ im Gemeindehaus endete bereits am 20. Juli 2008.
Architektur-Forum Nordhorn
Nach der Architekturausstellung 2006 setzt die Städtische Galerie Nordhorn in diesem Sommer die Beschäftigung mit Themen der Baukunst in erweiterter Form fort: Ende Mai 2008 startete die Veranstaltungsreihe „Architektur-Forum Nordhorn“ als Vortrags- und Gesprächsprogramm. Eingeladen sind Referenten, die einen 30minütigen Vortrag halten als „Ausgangspunkt für eine Gesprächsrunde, die in entspannter Atmosphäre mit Getränken und Imbiss jeweils von einem örtlichen Architekten moderiert wird.“ In monatlicher Folge wird diese Reihe bis Ende 2008 fortgesetzt.
Montag-Stiftung
Seit Jahren steht die Villa Ingenohl am Bonner Rheinufer leer. In der Nachkriegszeit waren hier Teile des Bundeskanzleramts untergebracht. Die Montag Stiftung Bildende Kunst hat 27 Künstler aus Deutschland, Polen und Belorussland eingeladen, vom 2. August bis zum 14. September 2008 in dieser Villa und im verwilderten Garten „Ideen zu einem Projekt“ zu entwickeln. Einige Künstler sind schon im Juni angereist und arbeiten derzeit vor Ort an ihren Konzepten.
Licht Linien Bergheim
Die rheinische Kreisstadt Bergheim zählt zu den 24 Kommunen, die im Rahmen des Landeswettbewerbs „Ab in die Mitte! – Die City-Offensive in NRW“ eine Auszeichnung erhalten haben. Beworben hatten sich die Stadtoberen mit dem Projekt „Licht Linien Bergheim zu Lande, zu Wasser und in der Luft – Die offene Stadt in drei Akten“. Wenn Marketingstrategen sich der Kunst bemächtigen, bedienen sie sich auch schon mal unverfroren beim Ideengut anderer Künstler. Obwohl in der Nachbarstadt Köln der Künstler Res Ingold seit 20 Jahren eine fiktive Fluglinie als Kunstprojekt betreibt, schrecken die Bergheimer nicht davor zurück, nun ihrerseits eine ebenfalls fiktive Fluggesellschaft mit dem kalauerhaft-betulichen Namen „MHL Montain Heim Linie“ ins Leben zu rufen und dafür mit dem Slogan „Fly heim“ zu werben. Damit kämen „die Bergheimer nicht nur schneller, besser und komfortabler in ihre Stadtmitte, sondern vor allem auch schöner.“ Wer die real existierenden Busverbindungen in ländlichen Gebieten kennt, der würde ein tatsächlich funktionierendes alternatives Verkehrsmittel sicherlich begrüßen. Aber mit der Idee, eine Transrapidstrecke bauen zu wollen, gewinnt man heutzutage keine Wettbewerbe mehr. Da muss es schon mindestens eine Fluglinie sein. Was bieten die „Licht Linien Bergheim“ (1. Juni bis 22. August 2008) außer dem Werbeplakat sonst noch? Zum Beispiel einen Appell an „die Bergheimer Bürger, ihre Wege von Quadrath-Ichendorf oder Niederaußem ins Zentrum bewusst in den Blick zu nehmen und gewissermaßen neu zu beleuchten: Was sind die Linien und Wege, die physisch, historisch und kulturell in die Mitte führen, wo sind die Barrieren?“ (Pressetext). Die Projektinitiatoren scheinen wohl geahnt zu haben, dass eine solchermaßen „zwinkernd-abstrakt“ (Pressetext) ins Feld geführte Definition des Begriffs „Lichtlinien“ allein nicht sehr metaphernsicher wirkt, weshalb sie zum letzten Projekttag am 22. August 2008 noch eine reale „Lichtkunst-Inszenierung der Innenstadt mit Mid-Night-Shopping und furiosem Abschluss-Finale“ ankündigen.
Scene Österreich
Alle zwei Jahre findet in NRW ein Kulturaustausch mit einem anderen EU-Land statt, zuletzt 2006 mit den baltischen Ländern. Derzeit sind beim „scene“-Festival bis Juli 2008 Künstler aus Österreich in Münster, Bielefeld, Dortmund, Düsseldorf, Hagen, Essen und Köln zu Gast. „Scene: Österreich“ präsentiert „spartenübergreifend“ die aktuellen Trends in der bildenden Kunst, im Film und in der Literatur. Für 2009 und 2010 soll „aus der Präsentation in diesem Jahr“ eine „enge Kooperation“ mit den europäischen Kulturhauptstädten Linz (2009) und Essen (2010) „erwachsen“.
Internationale Photoszene Köln
Vom 1. September bis zum 1. Oktober 2008 wird Köln wieder zum Mekka der Fotokunst. Parallel zur „photokina-Messe“ zeigen viele örtliche Museen, Galerien und andere Kunstorte Ausstellungen mit Fotografie. Die Veranstaltung findet seit 1988 im Zwei-Jahres-Rhythmus immer im Herbst statt. Am Hauptveranstaltungswochenende vom 26. bis zum 28. September 2008 werden bis zu 18.000 Besucher in den Ausstellungen erwartet. Neben renommierten Kunstinstitutionen nutzen Künstler und Kunstvermittler auch Ladenlokale, leer stehende Gebäude, Privatwohnungen oder sogar Obdachlosenheime für ihre Präsentationen: Jede einzelne Ausstellung lebt von ihrer spezifischen Umgebung. Bei der „Photographer’s Night“ zeigen diverse Fotografen ihre Arbeiten in kurzen Screenings. Der Abend mündet in einen Empfang für alle Teilnehmer und Besucher. Über das Programm informiert ein Katalog, der an allen Ausstellungsorten kostenlos erhältlich ist.
Horizons
Die Gemeinde des Massif du Sancy in der Auvergne führt in diesem Sommer zum zweiten Mal das Projekt „Horizons – Begegnungen: Kunst-Natur“ durch. Als Gewinner eines Wettbewerbs wurden zehn internationale Künstler eingeladen, an Kraterseen oder auf Feldern und Waldflächen einen Dialog zwischen ihren plastisch-installativen Kunstwerken und der Landschaft zu inszenieren. So überzieht z.B. Laetitia Carlotti einen Berghang mit Tausenden von Patronenhülsen, und Gilles Brusset platziert in der Landschaft 250 grossflächige Spiegel, die den Himmel wiedergeben. Christian Hasucha lässt ein 50 m langes Wort in einem See schwimmen, und François Klein baut dort Maschinen, die von Wasserkraft angetrieben werden. Weitere Teilnehmer sind Emmanuel Cartillier, Oliver Delaroziere, Cornelia Conrads, Roland Mayer, Antoine Quenardel, und Jean-Pierre Saint-Roch. Die Arbeiten sind vom 1. Juli bis zum 15. September 2008 in der Landschaft frei zugänglich. Pläne mit den einzelnen Standorten sind in den Touristenbüros der Region erhältlich.
München: Wasserpavillon
Ab März 2009 ist die Städtische Galerie im Lenbachhaus für drei Jahre geschlossen; Wiedereröffnung ist voraussichtlich 2012. Während der Sanierung wird nicht nur die gesamte Sammlung ausgelagert, sondern auch der Museumsplatz Teil der Baustelle sein. Auf diesem Platz findet seit 2002 eine Programmreihe mit Installationen zeitgenössischer Kunst statt. Der erste Beitrag war damals der interaktiven Wasserpavillon „Raum in Bewegung / Bewegung im Raum“ des dänischen Künstlers Jeppe Hein. Im Rahmen der Reihe „Abschied auf Zeit“ ist dieser Pavillon in diesen Wochen noch einmal zu sehen. Die Installation reagiert sensorisch auf Passanten. Bei näherem Herantreten an die runde Wasserwand wird ein Teil des Wasserstroms unterbrochen, so dass man den Pavillon betreten kann. Im Inneren angelangt, schließen sich die Wände und der Besucher ist vom Geschehen des Platzes und der Straßen abgeschirmt.
Das Grosse W
Früher formulierten die Künstler ihre Avantgarde-Ansprüche in philosophischen oder polemischen Manifesten. Die dreiköpfige Künstlergruppe „Die Weissenhofer“, die „nie eine Akademie besuchte“, hat nach eigenem Bekunden hingegen eher einen „praktischen Zugang zur Theorie“. Anstatt nun selber ein Traktat zu Papier zu bringen, „verschraubte“ das Trio stattdessen lieber ideologische Bekenntnisse anderer Künstler zu einem „großen W“. Besucher der Weissenhofer-Ausstellung im Kölner KunstWerk konnten im Juni 2008 auf der Oberfläche dieser „W“-Plastik das berühmte Bekenntnis von Max Liebermann nachlesen, „Genie ist zehn Prozent Inspiration und neunzig Prozent Transpiration“ oder die Anti-Malerei-Proklamation von Joseph Beuys: „Der Fehler fängt schon an, wenn sich einer anschickt, Leinwand und Keilrahmen zu kaufen“.
Villa Unica
Unter dem Titel „Villa Unica“ beschäftigt sich der Künstler Victor Nono mit der politischen und kulturellen Entwicklung Europas. Zwar hat Irland in einer Volksabstimmung den neuen EU-Vertrag soeben abgelehnt, doch das ficht Nono nicht an, derzeit ausgerechnet das Hauptwerk eines irischen Nationaldichters in den Mittelpunkt seiner künstlerischen „Villa Unica“-Aktivitäten zu stellen. Künstler Nono hat sich nämlich vorgenommen, den als schwierig zu rezipierend geltenden Roman „Ulysses“ von James Joyce Seite für Seite zu lesen und zu jeder Seite eine bildnerische Arbeit zu schaffen. Nach und nach entsteht auf diese Weise ein umfangreiches Werk, „das dem Jahrhundertroman als visuelle Interpretation zur Seite gestellt werden kann“. Als Projektbeginn wählte Victor Nono den 16. Juni 2008, der von den Joyce-Fans weltweit als „Bloomsday“ begangen wird: es ist jener 16. Juni, an dem die Hauptfigur des Romans, Leopold Bloom, durch Dublin zieht.
Kurz draussen
Der Bonner Künstler Babak Saed konfrontierte die Besucher der evangelischen Kirche in Winningen/Mosel mit einer ungewöhnlichen Aktion, die drei Tage dauerte. Dafür wurde der Kirchenraum komplett leer geräumt. Über dem Altar brachte der Künstler anschließend den Satz „SCHATZICHBINKURZDRAUSSEN“ an, wie bei allen seinen Textinstallationen in Versalien ohne Leerstellen. Dazu hing von der Decke eine große schwarze Kugel auf Bauchhöhe des Betrachters. Sie sollte bewusst an eine Abrissbirne erinnern. Wenn man die Kugel in eine Pendelbewegung versetzte, „knallte in unregelmäßigen Abständen gleichzeitig aus der Kugel und aus mehreren in der Kirche platzierten Boxen ein Blitzschlag mit anschließendem Donnergroll.“
Tornado-Bemalung
Meistens sind Militärflugzeuge in grau-blauen Tarnfarben bemalt, damit der Feind das Jagdgeschwader am Himmel nicht sofort erkennen kann. Dass man die Oberfläche von Kampfflugzeugen jedoch auch künstlerisch gestalten kann, ohne dass die Tarnung darunter leidet, beweist der Kölner Künstler Louis du Chateau. Er durfte soeben bereits zum zweiten Mal mittels Airbrush-Technik einen Tornado-Bomber der Bundesluftwaffe gestalten. Auf hintersinnige Weise konterkarierte du Chateau das moderne HighTech-Flugzeug, indem er auf der Wand das Motiv eines altmodischen Doppeldeckers aus dem Ersten Weltkrieg anbrachte.
Floating Colours
In der Phase des Übergangs vom Industriezeitalter in ein postmodernes Zeitalter von Informationstechnologie und Dienstleistungskultur erlebt das Ruhrgebiet einen massiven Strukturwandel. Zechen und Stahlhütten sind Gewerbeparks gewichen. Industriebrachen werden neu bebaut. Seit 1990 wird auch die Emscher als raumplanerischer „Problemfluss“ neu gestaltet: Denn durch das Emschertal floss von Dortmund nach Dinslaken früher „weniger ein Fluss, sondern ein offener Abwasserkanal“. Das „Fotoprojekt Emscher Zukunft“ der Emschergensossenschaft begleitet in Form eines Wettbewerbs den Wandel der Region. In diesem Jahr steht die Auswahl der Fotoarbeiten unter dem Titel „Floating Colours“. Ausgewählt wurden insgesamt neun Fotoserien und zwei Konzeptideen, die bis zum 17. August im Dortmunder LWL-Industriemuseum vorgestellt werden. Künstlerischer Leiter des Projekts ist Mario Lombardo. Er betreut eine Ausstellung mit rund 100
Arbeiten, „darunter vier inzwischen realisierte Konzepte der Vorjahre“. Zum Gedanken des Projekts heißt eas: „Durch das Fotoprojekt Emscher Zukunft werden nicht nur Spezialisten, sondern auch Anwohner explizit
aufgefordert, in den Wandel einzugreifen und die Diskussion darüber auf eine breite Ebene zu tragen: Der Fotograf als Dokumentarist, aber auch als Kommentator und Inspirator – Wertigkeiten, Entwicklungen und Veränderungen sollen durch das Auge des Künstlers aus dem Verborgenen geholt werden, der Wandel ästhetisch erfahrbar und über die Region hinaus zum Gegenstand der Wahrnehmung gemacht werden.“ Eine Prämie von 20.000 Euro wurde zu gleichen Teilen auf die Urheber von acht Bildserien aufgeteilt: Marita Bullmann, Brigitte Kraemer, Annette Jonak, Dominik Asbach, Christian Diehl, Axel J. Scherer, Joachim Schumacher, Henk Wittinghofer. Weitere fotografische Konzeptideen realiseren Chrsitian Diehl und Gregor Theune in den kommenden Monaten. Adresse: LWL-Industriemuseum, Zeche Zollern, Grubenweg 5, Dortmund, Tel. 0231 6961-211.
Skulptur draussen
Alljährlich organisieren Dorothee Hoven, Peter Sörries, Christa und Ferdi Katzenburg in einem Privatgarten in Köln-Weiß die Aktion „Skulptur draußen“. In diesem Jahr ist der Kölner Bildhauer MiegL eingeladen, dort bis zum 16. August 2008 seine Arbeiten zu präsentieren (Weißer Hauptstr. 52).
Pornos bei Ikea
Der Münsteraner Künstler Ruppe Koselleck narrt die Institutionen gerne mit seinen subversiven Attacken. So nahm er mit einer fiktiven Figur „Dr. Billy Baypack“ an Werbe- und Rabattaktionen teil, worauf unter dubiosen Umständen in Sachen Datenschutz schließlich auch noch die Gebühreneinzugszentrale GEZ die Kunstfigur erfasste und von ihr Rundfunkgebühren eintrieb, die aber inzwischen an Künstler Koselleck rücküberwiesen werden mussten. Auch der Möbelkonzern Ikea ist nicht vor Kosellecks eulenspiegelhaften Attacken sicher gewesen. „Bei meinen parasitären Streifzügen durch die IKEA Welt fiel mir irgendwann auf, dass Pornografie sich nicht mit dem Image von Ikea vertrug. Ein Mangel, dem ich Abhilfe bieten wollte und konnte“. Der Künstler versteckte Porno-Videos in den Regalen der „Musterwelt“: „Es ist zwar kindisch, aber es war mir ein besonderer Nervenkitzel, Pornografie nach Ikea zu bringen“. Koselleck tauschte in diversen Ikea-Filialen auch unbemerkt die dort hängenden Bilder gegen seine eigenen aus und entsorgte im Möbelladen ebenso sein altes Handy: „Alles, was ich hinterließ, fiel irgendwie nicht weiter auf. Das Security System wirkt effizient gegen Ladendiebstahl. Gegen das Hinzufügen von Dingen erweist sich das Ikea Land als wehrlos“. Seine Ikea-Interventionen hat Koselleck soeben in einer Broschüre „Parasitäre Publikationen“ und mit einer Ausstellung in der Nürnberger „Galerie Bernsteinzimmer“ dokumentiert.
China-Hair-Connection
Die Künstler Angie Hiesl und Roland Kaiser lassen „mit bildnerischen und performativen Mitteln… jeweils eingebettet in die Realität vor Ort, fiktionale Welten rund um das Thema Haar entstehen“. An ihrem neuen Projekt „China-Hair-Connection Peking Köln“ sind fünf chinesische und vier europäische Akteure beteiligt. Bühnen sind der „Grenzbereich“ zwischen öffentlichem und privatem Raum. Die Uraufführungen sind für den 21. August im Kölner Eigelsteinviertel und für den 10. Oktober 2008 in Peking angekündigt. Infos: www.china-hiesl-kaiser.de.
Gescheiterte Hoffnung
Die Gerisch-Stiftung in Neumünster startete eine neue Ausstellungsreihe mit zeitgenössischer Fotografie und Videokunst. Das erste Projekt „Gescheiterte Hoffnung. Romantik heute?“ stellt bis zum 17. August 2008 die Frage „nach der Aktualität im Zeitalter computergestützter Bildproduktion“. Maler wie Caspar David Friedrich waren „beseelt von der Sehnsucht nach Vereinigung mit der mythisch-erhabenen Natur“, doch die heutigen Foto- und Videokünstler hätten die Erkenntnis gewonnen, dass es „um diese letzten möglichen Utopien“ heute „eng geworden“ sei: „Einige Künstler nehmen Natur nur noch als ausgeleuchtetes Filmset“ wahr oder durch den gefilterten Blick des Autofahrers. In der Künstlerliste sind u.a. Ulrike Flaig, Ulrike Fester, Julia Oschatz, Mette Tronvoll, Thomas Wrede und Tobias Zielony vertreten.
Paradoxien des Öffentlichen
Mit dem Projekt „Kaiserberg Woher – Wohin” von Felix Lüdicke und Korbinian Lechner wurde soeben eines der ersten offiziellen Kulturhauptstadtprojekte „Ruhr 2010“ in Duisburg realisiert. Am Autobahnkreuz Duisburg-Kaiserberg erstrahlen auf einer Freifläche 450 orangefarbene Liegestühle im Sonnenlicht. In weißer Schrift sind die Namen von Wunschorten zu lesen, an denen die Anwohner des Kreuzes Kaiserberg gerne sein würden. Die Installation ist ein Beitrag zum Wettbewerb „Paradoxien des Öffentlichen”, mit dem das Künstlerduo den ersten Preis gewann. Drei weitere Preisträger durften ebenfalls Projekte im öffentlichen Raum realisieren: Nica Giuliani und Andrea Gsell von der Schweizer Künstlergruppge „île flottante“ führten eine interaktive Installation für Handys „Expansion Sonore” in der Duisburger Innenstadt durch. Karin Lingnau und Martin Hesselmeier versetzten mit ihrer kinetische Licht-Klanginstallation „SARoskop” die Besucher im Duisburger Wilhelm-Lehmbruck-Museum mit Hilfe ihrer Handys in Schwingungen. Ulrich Genth und Heike Mutter inszenierten eine interaktive Raumskulptur „Für eine Ökonomie des Tauschens” in der Shopping-Mall des Duisburger CityPalais.
Standortmitte
1932 wurde die neue Kraftfahrstraße Köln-Bonn eingeweiht – die 30 km lange Piste war die erste Landstraße gewesen, die mit getrennten Fahrbahnen Merkmale einer Autobahn aufwies, und sie gilt im historischen Rückblick als die erste Reichsautobahn. Heute haben Köln und Bonn auch einen gemeinsamen Flughafen und eine gemeinsame Sparkasse – Grund genug für den Kölner Bildhauer Lutz Fritsch, mit einer Doppelskulptur auf die enge historische und wirtschaftliche Verbindung der beiden rheinischen Städte hinzuweisen. Genau in der Mitte der beiden Verteilerkreise am Autobahnende in Köln und Bonn platziert Fritzsch eine jeweils 50 m hohe rote Stele. Im September 2008 soll seine Plastik „Standortmitte“ eingeweiht werden.
Laufsport als Performance
Den Mainzer Aktionskünstler mit dem schönen Pseudonym „Brandstifter“ hat es derzeit nach Schöppingen verschlagen, wo er einen Stipendienaufenthalt verbringt. Nach eigenen Angaben mied er bislang „Massensport-Events wie die Pest“, doch nun wurde ihm bewusst, dass er die Hälfte seiner durchschnittlichen Lebenserwartung hinter sich hat. Zur Bewältigung der abrupt ausgebrochenen Midlife-Crisis wurde „Brandstifter“ seinem bisherigen „No Sports“-Prinzip untreu und meldete sich beim Volkslauf „Rund um den Schöppinger Berg“ an. Das Ablaufen der 5.000 m-Strecke inszenierte er als „performative Intervention“, indem der Künstler ein Trikot mit einem aufgedruckten Zitat aus Hugo von Hofmannsthals Theaterstück „Jedermann“ trug. Die konzeptuelle Begründung entlarvt die Aktion als eine für „Brandstifter“ typische intellektuelle Hanswurstiade: „Die performative Intervention im öffentlichen Raum bewegt sich, ebenso wie das ‚Spiel vom Sterben des reichen Mannes“, im Spannungsfeld zwischen unstillbarem Lebensdurst und unausweichlicher Vergänglichkeit’“.
Wasserwelten
„Wasserwelten“ ist eines der Themen des diesjährigen „LiteraturHerbst Rhein-Erft 2008“. Der Bornheimer Künstler Norbert F. Conzen beteiligt sich mit seinem Kunstvideo „Fluss 2007“. Die Bildszenen hat er mehrfach gespiegelt und mit langen weichen Überblendungen ineinander kopiert. Conzen beschäftigt sich in seiner künstlerischen Arbeit generell mit den „Grenzbereichen zwischen Natur und Kultur“. Er erwandert zu Fuß die Landschaften in den verschiedenen europäischen Regionen und hinterlässt entlang des Weges hölzerne Markierungen in Form einer Stele („Kunstforum“ berichtete). An diesen Plätzen entstehen dann Zeichnungen und Fotografien, in jüngster Zeit vermehrt auch Filme und Videos. „Fluss 2007“ wird am 9. September 2008 um 20 Uhr im Kulturzentrum Löhrerhof in Hürth aufgeführt (Lindenstr.)
Archidom
Seit 2002 haben Heike und Helmuth Hahn etwa 750 Personen aus der Region rund um Nürnberg nach ihren Traumhäusern und -landschaften befragt. Dieses Material über Domizile hat das Künstler-Duo in einem Archiv dokumentiert (Archidom). Außerdem haben sie den Beschreibungen mit eigenen Werken eine „künstlerische Gestalt gegeben. Visionen wurden zu Kunsträumen, Wünsche und Sehnsüchte zu Objekten und Installationen, die in ihrer Vielfalt unterschiedlichste Wohn- und Lebensentwürfen widerspiegeln.“ Dabei setzten sie als Medien und Materialien Skulptur, Fotografie, Video, Metall, Plexiglas, Beton und sogar Seife ein. Bis Oktober 2008 geht das Projekt auf Ausstellungstournee mit den Stationen Landshut, Fürth, Traunstein, Essen und Ditzingen.
Wiener Frauen
Die Künstlerin Irene Andessner schlüpft masken- und kostümbildnerisch in die Rolle berühmter weiblicher Persönlichkeiten. Die mimetisch-performative Annahme dieser Rollen geht bisweilen sogar so weit, nicht nur das Äussere zu verändern, sondern sich auch die Identität symbolisch anzueignen: Als sie Marlene Dietrich verkörperte, heiratete Andessner für die Dauer der Aktion sogar einen Herrn Dietrich, um dessen Namen annehmen zu können. Im Sommer 2008 realisiert Irene Andessner in Wien ihre jüngste Aktion „Wiener Frauen“ in 400 Plakatkästen, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind. Als Motive für ihre zwölfteilige Portraitserie wählte die Foto- und Performancekünstlerin „verdienstvolle, legendäre und auch fast vergessene Wiener Frauenpersönlichkeiten des 19. und 20. Jahrhunderts aus Wissenschaft, Kunst, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, die sie darstellerisch nachempfand und bildnerisch interpretierte, um sie auf ihre Weise ‚wiederzuveröffentlichen’“. Die dargestellten Persönlichkeiten sind Marianne Hainisch, Bertha von Suttner, Katharina Schratt, Bertha Pappenheim, Alice Schalek, Emilie Flöge, Lise Meitner, Lili Scheidl-Hutterstrasser, Gina Kaus, Margarete Schütte-Lihotzky, Irene Harand und Hedy Lamarr.
Köln: Polylog
Im September 2008 führen der Kölner Künstlerverein „Akt 1 e.V.“ und das Team im „Bureau d’esprit“ (Maria Schmidt-Dzionsko, Daniel Neumann, Ralf Mager und Reinhardt Mundt) mit 40 Künstlern aus Kölns Partnerstädten rund ums Mittelmeer und mit Vertretern der lokalen Szene eine „polylog“-Biennale durch. „Die Sehnsucht nach der Schönheit“ lautet das Leitmotiv der Projektreihe in diesem Jahr. Das Rathaus der Stadt Köln, das „Stattmuseum“ und der Kunstraum „Factory“ im Stadtteil Sülz sowie der Schauraum „Sidispot“ in der Marzellenstraße sind ab dem 10. September 2008 Schauplätze der Ausstellungen. Der Bildhauer Peter Mönnig betreut einen Workshop mit Kunststudenten aus Tunis, Istanbul, Turin, Barcelona und Thessaloniki zum Thema „Stattbiennale“. Die Teilnehmer produzieren ihre Beiträge zu diesem Thema während eines einwöchigen Köln-Aufenthaltes. Auch die sozialkritischen Videoinstallationen von Sela Ruti (Bethlehem), Larissa Sansour und Maayan Amir (Tel Aviv) entstehen teilweise in Köln vor Ort. Zur Vernissage (10.9.) führen Carola Willbrand und Mark Met eine Performance auf, bei der sie dann dem Publikum erklären, warum die Domstadt mental am Mittelmeer liegt. Der interkulturelle Künstleraustausch findet künftig regelmäßig alle zwei Jahre statt.
Schornstein-Skulptur
1990 begann der Künstler Jan Svenungsson, Schornsteine fotografisch zu dokumentieren. Doch das reichte ihm bald nicht mehr, und so begann er 1992, reale Schornsteine zu bauen. Sie haben keinerlei praktische Funktion, sondern stehen als Kunstobjekte in der Landschaft. Die erste Schornsteinskulptur des Künstlers vor dem Moderna Museet Stockholm ist zehn Meter hoch. Nach der Konzeptidee gewinnt jeder weitere Schornstein einen Meter an Höhe. 2007 wurde der achte Schornstein mit einer Höhe von 17m im Skulpturenpark WANAS in Schweden errichtet. Svenungssons jüngster Schornstein ist 18 m hoch und wurde soeben in Hamm/Westfalen eingeweiht. Die Bauzeit betrug sechs Wochen.
Kunstprojekt Theresienhöhe
Im Rahmen von „Quivid“, dem Kunst-am-Bau-Programm der Stadt München, ist im Jahre 2000 für das Neubaugebiet Theresienhöhe ein Kunstkonzept entwickelt worden. Die bereits realisierten Projekte und die Planungen sind nun in einem Buch dokumentiert, ergänzt durch Reflexionen der beteiligten Künstler Shirin Damerji, Jörg Koopmann, Karin Bergdolt und Wolfgang Thaler über das Westend und die Entwicklungen im Stadtviertel. Weitere Infos: www.quivid.de.
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