Ausstellungen: Krefeld , 1993

Heinz-Norbert Jocks

Alan Charlton, zum ersten Mal mit einer Einzelausstellung in Krefeld bedacht, ist obesessiv in seiner Haltung, ausschließlich graue Bilder zu malen. Darin ist er ein präziser Experte im mattfarbig Monochromen wider die Turbulenzen des Expressionismus jeder Couleur. Die kultivierten, verhalten-dekorativen Töne kommen durch die Beschränkung auf diese eine Farbe, die nach außen zwischen heller und dunkler oszilliert, und deren Auftrag.

Zur Rezeptur dieser ewiggrauen Malerei gehört, daß die Farbe in mehreren dünnen Schichten so auf den Bildkörper aufgetragen wird, daß dadurch dessen eigene Gewebestruktur bis in seine Stofflichkeit hinein nicht überlagert wird. Die Farbdecke in ihrem Gleichmaß und in ihrer Abhängigkeit vom Licht kommt so einheitlich daher, daß wir fast glauben könnten, daß da jemand die Farbe spritzt. Spuren des individuell Gestischen oder Impressionistischen sind jedenfalls ausgelöscht. Mit einem nahezu anonymen Farbauftrag, der keine Handschriftlichkeit zuläßt, haben wir es also zu tun.

Damit befindet sich Charlton klar im Gegensatz zu Malern wie Gotthard Graubner, der als Leinwand eine Art Polster oder Kissen verwendet, das Farben einsaugt, und der dabei mit dem Verfahren des von Robert Delaunay entwickelten Simultankontrasts arbeitet. Wenn im Fall von Graubner eine fließende Nuancierung zu entdecken ist, die das Gelb in vielen Übergängen, Überlappungen oder Durchdringungen als einen ganzheitlichen Kosmos von Klängen erfahren läßt, von hellen, verwehten bis zu festeren Valeurs, so unternimmt der 1948 in Sheffield geborene Alan Charlton keine vergleichbare Anstrengung. Er gibt sich mit einem Klang zufrieden und versetzt dadurch das Auge in einen vorläufigen Ruhezustand. Bei einer so gearteten Treue zu einer Grundentscheidung, die…

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von Heinz-Norbert Jocks

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