Ausstellungen: Düsseldorf , 1993

Der verwinkelte Eckraum von Hans Mayer am Grabbeplatz, direkt neben der Kunsthalle, erstrahlt derzeit im coolen Licht einer sich ins Abstruse verkehrenden High-Technology. Wie ungeheure Kuriositäten eines notorischen Bastlers der Postmoderne auf nimmersatter Jagd nach Fundstücken, aus denen sich Absurdes aus dem Geist der Alltäglichkeit montieren läßt, kommen einem die listigen Tüfteleien von Alan Rath vor. Dessen Arbeiten waren bisher bei uns in Europa noch gar nicht so oft – und wenn, nur in Gruppenausstellungen – zu sehen, finden wohl aber seit einigen Jahren in Amerika durchaus zunehmend mehr Interessenten.

Der 1959 in Cincinnati, Ohio, Geborene besitzt die fröhliche Querphantasie desjenigen, der von seinem Widerspruch profitiert. Ob er ein vernarrter Fan der Technologie oder ein obsessiver Neoskeptiker ist, teilt sich nicht auf Anhieb mit; womöglich ist er beides. Insofern er seine Überlust an Technik libidinös auslebt und diese gleichzeitig mit Kritik bedenkt, kann er nach Lust und Laune schalten und walten. Als humoriger Geselle im Medialand und Anarchist mit neodadaistischer Vision im Kopf hat er verstanden, wie sehr sich mit der Fortschrittseuphorie der Wissenschaft, die in ihrer Neugierde alles für möglich hält, auch der Hang zu Prothesen der ausgekochtesten Art ins Unmenschliche und Unendliche ausdehnt. The roboter is watching you. Ja, Rath kennt wie Aldous Huxley den Normalzeitgenossen jüngsten Stils, der die Meeresbucht als Sehenswürdigkeit betrachtet, während er im Auto vor dem Zwergmonitor ausharrt, auf dem Madonna via Videoclip ihre Fans bezirzt.

Wer sieht, was sich Rath zusammenfrimelt, könnte der Ansicht sein, daß das Zeitalter einer „neuen Skulptur“ angebrochen sei, die auf…

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von Heinz-Norbert Jocks

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