Titel: Malerei - Radikale Malerei , 1987

Hannelore Kersting

Günter Umberg:

Umgang mit Farbe

Der direkte, physische Umgang mit Farbe ist ein so wesentlicher Faktor seiner Malerei, daß Günter Umberg ihn in Äußerungen über seine schwarzen Bilder immer wieder hervorhebt. So schreibt er beispielsweise 1980: »Mein Verhältnis zur Farbe ist bestimmt durch ihre physische Präsenz. Malerische Handlung und Wahrnehmungsprozesse stehen in einem ursächlichen Zusammenhang. Farbe wird nicht formalisiert, sondern formuliert.«1

Worin besteht nun diese konkrete Handlung, die Umberg so wichtig ist, wie schlägt sie sich in dem optischen Erscheinungsbild nieder, und welche Bedeutung hat sie schließlich für den Betrachter?

Um diesen Fragen nachgehen zu können, seien technische Informationen über Umbergs charakteristische Malweise vorausgeschickt. Farbpigmente (Rebenschwarz, Elfenbeinschwarz, Graphit, häufig gemischt mit anderen, zumeist (preußisch)blauen Farbtönen) und Bindemittel (Dammar-Naturharz) werden getrennt voneinander verarbeitet. Auf den stehenden Bildträger, der aus einer dünnen, glatten Aluminiumplatte besteht, wird das Bindemittel mit der Spritzpistole aufgetragen. Anschließend malt Umberg auf der nunmehr flach liegenden Tafel vom Rand her Pigmente mit breiten Pinseln in das noch feuchte Bindemittel. Dieser ständige Wechsel zwischen den beiden Grundelementen Bindemittel und Pigment, der es zugleich mit sich bringt, häufig mit dem Bild zu hantieren, wiederholt sich so lange, bis schließlich etwa vierzig oder auch fünfzig Schichten übereinanderliegen, die den Farbwert des Schwarz zu außergewöhnlicher Intensität steigern.

Umbergs Vorgehen zeigt deutliche Gemeinsamkeiten mit der Technik der Lithografie, der er sich zu Beginn seines künstlerischen Werdegangs über einen längeren Zeitraum hinweg mit großer Aufmerksamkeit widmete. Durch die körperlich anstrengende Handhabung der schweren Steine, aber auch durch das ständige Auftragen und Abschleifen der Farbe lernte Umberg von Anfang…

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