Titel: Malerei - Radikale Malerei · S. 159
Titel: Malerei - Radikale Malerei , 1987

Matthias Bleyl

Jüngste Positionen Radikaler Malerei in Deutschland

Als vor knapp zehn Jahren die Bonner Ausstellung »Bilder ohne Bilder« Positionen einer Malerei der 70er Jahre mit den damals geläufigen Attributen analytisch, geplant, still zu resümieren versuchte, war noch keiner der im Folgenden hier vorgestellten Künstler daran beteiligt. Der älteste, Dieter Villinger (Jahrgang 1947), hatte gerade das Kunststudium in München beendet, der jüngste, Ingo Meiler (Jahrgang 1955), hatte es erst ein Jahr zuvor in Köln begonnen. Keiner von ihnen hätte damals genügend profilierte Leistungen vorweisen können, die den Anforderungen einer solchen Ausstellung genügt hätten. Dies ist ganz »normal«, sofern der von allen gefaßte Vorsatz, nach dem Wesen der Farbe zu forschen, in der heutigen Malerei überhaupt je als normal angesehen werden kann; realiter ist er wohl stets die Ausnahme. Der verantwortungsbewußte Umgang mit Farbe will erst gelernt sein, und das braucht Zeit.

Radikale Maler, auch die jüngsten, sind sich der Verantwortung ihres Tuns bewußt. Sie arbeiten nicht mit Farbe, sondern an Farbe, d. h. Farbe ist ihnen nicht Mittel zum Zweck, sondern selbst ein Zweck, Mittel und Ziel in einem, was nicht mit dem Selbstzweck des l’art pour l’art zu verwechseln ist. Mit Farbe arbeiten heißt, Farbe benutzen, um irgendetwas zu erreichen, das mit der Farbe selbst direkt eigentlich nichts zu tun haben muß. Farbe soll dem vielmehr dienen, z. B. zur Darstellung eines wie auch immer farbig beschaffenen Gegenstandes oder sogar zur – gänzlich ungegenständlichen – Darstellung einer besonderen Stimmung des Malers. Im ersten Fall dient Farbe dazu, einen vorgefundenen Gegenstand so gut…

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