Titel: Skulptur. Projekte in Münster · von Michael Hübl · S. 273
Titel: Skulptur. Projekte in Münster , 1997

Kreisende Bewegungen

Von den Räumen zwischen Kleingarten und Internet

Von Michael Hübl

1.

Hier Agora, dort Agonie: Sind das die beiden Extreme, zwischen denen die Kunst im öffentlichen Raum ihr möglicherweise drohendes Verschwinden aussitzt? Ihr Ansehen immerhin ist gestiegen, auch wenn dem Begriff nach wie vor der Ruch von Bedürfnisanstalt und Straßenstrich anhaftet: „Kunst im öffentlichen Raum“ klingt immer noch mehr nach Strafbestand als nach ästhetischer Reflexion. Aber es sind ernsthafte Anstrengungen unternommen worden, dem Anschein baukünstlerischer Notdurft die Wirklichkeit der Objekte entgegenzustellen. So gibt es etwa in München neuerdings ein Handbuch, das den Weg weist zu den Parks und Plätzen, die mit Plastiken bestückt, den Ämtern, Banken und anderen Anstalten, in denen Wandmalereien realisiert wurden.1 Ein umfassender Katalog der „Kunst an staatlichen Bauten in Baden-Württemberg“2 liegt neuerdings vor, die Freie und Hansestadt will sogar mit ihrem 1981 initiierten und sehr zeitnah fortgeschriebenen Programm nicht nur weitermachen, sondern noch einen Schritt „weitergehen“, sprich: „weg von der ‚Möblierung‘ des öffentlichen Raums hin zur Inszenierung kommunikativer Prozesse.“3

2.

„Skulptur. Projekte in Münster“ hat – vor allem mit der 87er Ausgabe – der Diskussion um die öffentlich plazierte Kunst wichtige Impulse gegeben, denn die im historischen Stadtraum, im Schloßgarten und auf dem Universitätsgelände, beim Bahnhof und am Aasee installierte Kunst hat 1977, deutlicher noch 1987, schlüssig vor Augen geführt, daß es möglich ist, zwischen der Kunst und ihrer urbanen Umgebung, zwischen einer Plastik, Installation, Wandarbeit und deren gesellschaftlichem, architektonischem, historischem und kulturhistorischem Ort eine Beziehung herzustellen, die mehr ist als Mißverständnis und Mißverhältnis.

Mit konzeptuellen oder inhaltlichen Erklärungen und Richtungsweisungen…

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