Ausstellungen: München · von Justin Hoffmann · S. 350
Ausstellungen: München , 1994

Justin Hoffmann

Oh boy, it’s a girl!

Kunstverein München, 20.7. – 11.9.1994

Nicht wenige behaupten, sie können das Wort „Gender“ einfach nicht mehr hören. Bei anderen wiederum setzt man die Gender-Debatte als bekannt voraus und stellt mit großer Überraschung fest, daß sie noch nie davon gehört haben. So bildet sich innerhalb des Diskurses der Intellektuellen ein erstaunliches Gefälle zwischen denen, die einen Überdruß an dieser Thematik vorgeben, und denen, die einen offensichtlichen Mangel an Wissen darüber zu erkennen geben. Die erstere Gruppe ist die interessantere. Sie repräsentiert ein Elitebewußtsein, das sich durch eine besondere Sensibilität gegenüber Modeerscheinungen auszeichnet und dabei auch schon einmal etwas als Mode abqualifiziert, was nur in kleineren Zirkeln bekannt ist. Dabei stehen sie in ihrer Abwehr der Vulgarisierung unter dem besonderen Diktat der Mode und hetzen von einer Modedefensive zur nächsten. Diese Gruppe stört es, wenn bestimmte philosophische und politische Ideen eine größere Breitenwirkung erzielen, sie würde diese zur Abgrenzung geradezu zwingen. Tatsächlich aber ist gegen Mode nichts Grundsätzliches einzuwenden. Man muß sie nur entsprechend nutzen. Schon Immanuel Kant hatte festgestellt: „Besser ist es aber doch immer, ein Narr in der Mode zu sein als ein Narr außer der Mode zu sein.“ Mode kann der Motor einer Bewegung sein und in diesem Fall zur Propagierung der Idee der Dekonstruktion der geschlechtlichen Identität beitragen.

Die Ausstellung „Oh boy, it’s a girl!“ von Hedwig Saxenhuber und Astrid Wege gehört zu dem im positiven Sinne modischen Versuch, künstlerische Äußerungen im Kontext der von Judith Butler ausgelösten Gender-Debatte zu versammeln. Beide Kuratorinnen nehmen hierzu…

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