Essay , 1975

HANS-JÜRGEN MÜLLER

PROFIT MIT FILZ UND FETT

In der Novemberausgabe des Wirtschaftsmagazins ‚Capital‘ erschien anonym ein vierseitiger Artikel, in dem mehrere Avantgarde-Galerien, insbesondere aber zwei deutsche Kunsthändler, außergewöhnlicher Gewinnspannen auf Kosten des Düsseldorfer Künstlers Beuys bezichtigt werden.

Als Ankläger entpuppt sich Beuys-Intimus Willi Bongard, dessen Verehrung für den Künstler offensichtlich so groß ist, daß er nicht einmal mehr fürchtet, zwischen die Mühlräder seiner beruflichen Interessen zu geraten.

Einerseits versucht er, die von seinem Auftraggeber ‚Capital‘ gewünschte Story über den Großverdiener Beuys umzudeuten, um so den Mythos des Professors nicht zu gefährden, andererseits müssen für die hohen Preise, die Beuys-Objekte heute kosten, Schuldige gefunden werden.

Um aber die Gunst seiner Informanten – und das sind in erster Linie Galeristen – nicht unnötig aufs Spiel zu setzen, versteckt er sich hinter einem etablierten Magazin ohne seine wirren Theorien zu signieren.

Der ganze Vorgang ist leider wert, festgehalten und aufgerollt zu werden. In erschreckendem Maße zeigt Bongards Niederschrift, wie der Kampf um Ruhm und Geld mit verlogener Verbissenheit auf einem Niveau ausgetragen wird, das man bislang nur auf der politischen Bühne wusste.

Doch hören wir zunächst Willi Bongard: ‚Der Düsseldorfer Professor Beuys ist nicht nur der bekannteste, sondern auch der am höchsten bezahlte deutsche Künstler der Nachkriegszeit. Eigentlich müßte er längst Millionär sein.

Auf den ersten Blick schreckt der Betrachter davor zurück: ein schmutzig graues Ungetüm 1,50 Meter breit, 2,50 Meter lang, 95 Zentimeter hoch. Mit vier kurzen, dicken Beinen – vorne drei und hinten eines. Wie es da in der Kölner Galerie Zwirner steht und auf einen Käufer wartet, könnte…

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von Hans-Jürgen Müller

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