Spurenelement
SCHERZ, WITZ UND IRONIE IN DER GEGENWARTSKUNST
MIT EINEM AUSFÜHRLICHEN RÜCKBLICK AUF FLUXUS
VON MICHAEL HÜBL
Manta-Witze sind out. Erst recht die Häschen-Witze. Nach denen kräht längst kein Hahn mehr. Der dröge Refrain „Hattu Möan?“ als restringierte Fassung der Frage „Hast Du Möhren?“ ist inzwischen genauso Kulturgeschichte wie das Bemühen des seinerzeit 44jährigen Joseph Beuys, in der Düsseldorfer Galerie Schmela „dem toten Hasen“ Bilder zu erklären. Beuys blieb dem Hasen treu, er widmete dem Nagetier „amerikanischen Hasenzucker“, ließ es zuletzt gar in Gold gießen. Niemand, der sich ernsthaft mit Beuys ästhetischem System befaßt hat, würde auf den Gedanken verfallen, die Hasen als Witz zu nehmen. Beuys sah in ihnen „das Symbol für die Inkarnation. Denn der Hase macht das ganz real, was der Mensch nur in Gedanken kann. Er gräbt sich ein, er gräbt sich einen Bau“.1 Von Scherz keine Rede. Dürers Kupferstich, in einem Maße reproduziert, als habe er eine Kleintierzuchtanstalt durchlaufen, steht nicht zur Disposition. Mit der Aktion, die Beuys am 26. November 1965 bei Schmela veranstaltete, ging es also nicht etwa darum, einer Maxime von George Maciunas Folge zu leisten, der knapp zwei Jahre zuvor in einem programmatischen Brief die Ziele der Fluxus-Bewegung zusammengefaßt und konstatiert hatte, das Kunst-Objekt könne allenfalls „die pädagogische Funktion haben, den Leuten klar zu machen, wie überflüssig Kunst ist“. Dabei erweise es sich als „eine gute Lehrmethode, Kunst zu verspotten“.2
Spott, Scherz, Satire, Witz und Ironie – das sind Begriffe, die man mit den Arbeiten von Joseph Beuys am wenigsten verbindet: Die poveren Materialien gemahnen an…
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