Titel: Kunst und Humor · von Jürgen Raap · S. 85
Titel: Kunst und Humor , 1992

Bejahung des Diesseits

ÜBER DAS »WELTBILD« DER KOMISCHEN KUNST

VON JÜRGEN RAAP

»Die Lust zu leben, von der Hutten sprach, scheint die Maler noch nicht gepackt zu haben… Auf etlichen Flugblattdrucken sah ich zwar den groben Spaß, doch wenn ich mich erinnern wollte, auf wie vielen Holzbildtafeln des Säkulums Humor erkennbar ist, so brauchte ich nicht einmal die fünf Finger einer Hand. An den guten Joseph, den Zimmermann, hat sich der Spaß zuweilen herangewagt. Ein Maler hatte ihn auf der Seitentafel seines Altars als Mausefallentischler dargestellt. Ein anderer zeigte ihn, wie er an einem Feuer die Windel des Kindes trocknete, wobei er sich verstohlen umsah, ob auch keiner sein Tun beobachtete. Nur bei Hieronymus Bosch scheint des öfteren ein grimmiger Humor im Spiele zu sein. Aber so ganz sicher ist das wohl nicht, weil jeder, der die phantastischen Bilder deuten will, rasch in die Irre geht.« (Aus: Gerhard W. Menzel, „Pieter der Drollige“ – Roman um Brueghel, den Bauernmaler, Leipzig 1969, S. 249)

Rembrandt Harmensz van Rijn (1606-1669) hat in allen Schaffensphasen immer wieder Selbstportraits gemalt, die ihn meistens lachend, lächelnd oder grinsend darstellen. Das bekannteste Werk ist wohl jenes, das ihn zusammen mit seiner jungen Gattin in unbekümmerter Fröhlichkeit bei einem intimen Gelage zeigt; der Maler prostet mit einem Pokal dem

Betrachter zu, seine Mimik läßt auf lauthalses, gar dröhnendes Lachen schließen. Die Lust an einer quasi-karnevalesken Verkleidung spiegelt sich in den kostbaren Kostümen der beiden Abgebildeten wider; Samt, Brokat, Glitzern und Funkeln verdeutlichen eine Neigung zu barocker Lebenslust, obwohl wir annehmen dürfen, daß…

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